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Studierende diskutieren aktuelle gesundheitspolitische Fragen

Apotheken im Kontext versorgungsorientierter Strukturen: Care-Management in der Zytostatika-Versorgung – Studierende diskutieren aktuelle gesundheitspolitische Fragen

Apotheken werden in der Zukunft viel stärker „Fachapotheken“ werden müssen, so das Plädoyer von Apotheker Peter Novy und Apothekerin Dr. Iris Hofmann von der ABF Unternehmensgruppe bei einer Exkursion des Seminars „Gesundheitssystemforschung“ der Wilhelm Löhe Hochschule. Das Beispiel der Zytostatika-Versorgung zeige die hohe Bedeutung einer kontinuierlichen Produkt- Dienstleistungsbeziehung zwischen entsprechenden Schwerpunktapotheken und niedergelassenen Onkologen. Die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion zu den Ausschreibungen in der Onkologie weise auf die hohe Bedeutung eines methodischen Wissens über die teilweise sehr komplizierten Zusammenhänge des deutschen Gesundheitswesens hin. Die WLH-Studierenden lernen normalerweise in verschiedenen Veranstaltungen des Gesundheitsmanagement die Differenzierung zwischen den Aufgabenbereichen der niedergelassenen Apotheke und den niedergelassenen Ärzten kennen, insbesondere dass zwischen Apotheken und Leistungserbringern nach deutschem Apothekengesetz keine Rechtsgeschäfte bezüglich Lieferung von Arzneimitteln oder Zuführung von Patienten stattfinden dürfen. Die Versorgung mit Zytostatika bildet einen bewussten Ausnahmebereich und lässt explizit Versorgungsbeziehungen zwischen Schwerpunktapotheken und Schwerpunktärzten zu. Vor diesem Hintergrund sind teilweise langjährige Partnerschaften zwischen onkologischen Praxen und Apotheken mit dem Schwerpunkt der Zytostatika-Versorgung entstanden. Rabattverträge, die nun von den Krankenversicherungen ausgeschrieben werden, erhöhen den Preisdruck für anbietende Apotheken und binden nach erfolgter Ausschreibung Ärzte exklusiv an die im Ausschreibungswettbewerb gewinnenden Apotheken. Die Studierenden, die mit den Professoren Stefanie Richter und Jürgen Zerth, zur Exkursion zu ABF kamen, diskutierten kontrovers die Vor- und Nachteile von Rabattierungsstrategien insbesondere im Bereich spezialisierter Versorgungskontexte. Die Apotheker Peter Novy sowie Iris Hofmann konnten zeigen, dass die Zytostikaversorgung stark von ergänzenden Dienstleistungen, wie etwa begleitender Schmerztherapie gekennzeichnet sind und so Dienstleistung und Begleitung entscheidend zur Rezepturherstellung dazu kommen müsse. An dieser Stelle müssen sich Apotheken in der Zukunft viel stärker wieder als (regionale) Versorger sehen. Vor diesem Hintergrund gewinnen neben den traditionellen Berufsbildern verschiedene neue Berufsbilder, etwa auch im Bereich Versorgungsmanagement, für die ABF-Gruppe an Bedeutung, so Peter Novy. Neben der gesundheitspolitischen Diskussion konnte sich die Exkursionsgruppe der WLH von den Anforderungen an ein Reinraumlabor, das Grundlage für eine qualitätsorientierte Rezepturenherstellungen vergewissern.

WLH-Delegation bei Kardinal Marx

Studenten und Professoren der WLH diskutierten jetzt mit Kardinal Marx über Fragen sozialer Gerechtigkeit und den gesellschaftlichen Auftrag der Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz empfing die 7 köpfige Fürther Delegation gemeinsam mit den insgesamt etwa 30 Teilnehmern der Wissenschaftlertagung „Ethik und Soziale Markwirtschaft“ in seinem Münchener Bischofshaus. Prof. Elmar Nass von der WLH moderierte die Diskussion. Hier betonte der Kardinal die Rolle der Ökumene, er brachte das Naturrecht als Grundlage der Sozialethik in Erinnerung, er forderte zugleich eine Kommunikation christlicher Wahrheit in die heutige Zeit und wünschte sich dazu interdisziplinäre und internationale Kompetenzen in der Sozialethik. Auch bekannte er sich zu Oswald von Nell Breuning als einem seiner wichtigen Vordenker. Vor allem sei es die Aufgabe der christlichen Sozialethik, die Menschen heute so anzusprechen, dass sie die Argumente nachvollziehen könnten. Dafür sieht der Kardinal in Papst Franziskus ein überzeugendes Vorbild. Studenten und Professoren der WLH wie auch die anderen Teilnehmer waren beeindruckt von der Offenheit, Sachkenntnis und Überzeugungsstärke des Kardinals. Das knapp zweistündige Gespräch mit dem Kardinal war der Höhepunkt der diesjährigen Fachtagung, die die WLH gemeinsam mit dem Institut für ökonomische Bildung der Uni  Münster und der Görres-Gesellschaft im Namen der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft durchführt.    

Krankenhausmarkt der Zukunft und Industrie 4.0

Krankenhausmarkt der Zukunft und Industrie 4.0: werden die alten Player überrollt?

Das Krankenhaus der Zukunft wird Teil einer am Patienteninteresse ausgerichteten Versorgungslösung sein, die vor allem durch die Mega-Trends Individualisierung, Digitalisierung und Vernetzung und einem weiteren gesundheitsorientierten Wertewandel beeinflusst wird, so der Vorstandsvorsitzender der Agaplesion gAG im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement“ an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth. Zur Vorlesungsreihe auf Initiative von Prof. Jürgen Zerth kommen unterschiedliche Entscheidungsträger aus der Gesundheitswirtschaft an die WLH, um mit Studierenden aktuelle Fragen und vor allem Entwicklungstrends im Gesundheitswesen unvoreingenommen und konstruktiv zu beleuchten und zu diskutieren. Gesundheitsversorgung von morgen zu gestalten heißt für Markus Horneber Entwicklungstrends gerade der Digitalisierung rechtzeitig zu erkennen und eigene strategische Perspektiven zu entwickeln. Dies wolle Agaplesion als größter christlicher Gesundheitsanbieter mit eigenen werteorientierten Angeboten im Rahmen einer Digitalstrategie tun. Agaplesion sehe sich als Gestalter für eine Gesundheitsversorgung der Zukunft, wo es wesentlich darauf ankommen werde, Plattformen für ganzheitliche Versorgungsangebote zu entwickeln, die Patienten oder auch Kostenträger nachfragen können, so die Beschreibung von Markus Horneber. Datengestützte Gesundheitsangebote mit einer werteorientierten, christlich-geprägten Strategie zu verknüpfen, sind daher kein Widerspruch, sondern sind vielmehr die Chance, Medizin und Pflege besser im Sinne des Menschen zu machen, zeigte sich Markus Horneber überzeugt. Die digitalisierte Gesundheitsversorgung sei keine Zukunftsprognose, die irgendwann eintreten könne, sondern geschehe bereits jetzt, so Horneber, der auf die vielfältigen Aktivitäten gerade von internationalen Informations- und Kommunikationsunternehmen verwies. Gerade im Krankenhausmarkt lasse sich beobachten, wie Akteure außerhalb des etablierten und häufig eingefahrenen Gesundheitssystems den Markt betreten und somit neue Dynamiken erzeugen. In einer engagierten Diskussion mit den Studierenden betonte Horneber die Notwendigkeit, dass Studierende nicht nur das Wissen über die komplexen Strukturen des jetzigen Gesundheitssystems verinnerlichen sollen, sondern sich die Fähigkeit erhalten müssen, kreativ über alternative, neue Wege einer Gesundheitsversorgung zu denken. Gerade die Wilhelm Löhe Hochschule mit ihren interdisziplinären Zugängen zu Fragen des Gesundheitsmanagements könne hier als ein Innovationstreiber für eine neue Managergeneration wirken, schloss Horneber.   

Wird Krankenhausseelsorge überflüssig durch Spiritual care?

Die Diskutanten auf dem Podium: v.l. Annekathrin Preidel, Karoline Labitzke, Dr. Roland Hanke, Friederike Leuthe und Prof. Dr. Wolfgang George

Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule Fürth lud ein zu Expertentagung in Nürnberg
Provozierendes Thema und profilierte Experten am Podium lockten rund 80 sachkundige Teilnehmer ins Wohnstift Hallerwiese. Es ging um nicht weniger als die Frage, ob klassische Krankenhausseelsorge der Kirchen noch eine Zukunft hat. Denn dieser tritt zunehmend das so genannte ‚Spiritual care‘ gegenüber, das mit Konfession erstmal nichts zu tun hat. Ja mehr noch: Es ist Teil der Therapie, was Seelsorge nun gerade nicht sein will.

Die Kernfragen adressierte in seiner Einführung Prof. Hermann Schoenauer, früherer Rektor der Diakonie Neuendettelsau: Sind beide Zugänge zum Patienten einander mehr Partner oder Konkurrenten? Sollen konfessionelle Seelsorger eine religionsübergreifende Begleitung anbieten? Damit wurden am Podium herausgefordert: Annekathrin Preidel, Präsidentin der Landessynode Bayern der EKD, der Gießener Psychologe und Empiriker Prof. Wolfgang George, Karoline Labitzke, Beauftragte für Seelsorge in der Palliativarbeit der Evangelischen Landeskirche, die Einrichtungsleiterin Friederike Leuthe aus Erlangen und der Palliativmediziner Roland Hanke. Moderiert von Elmar Nass, dem Leiter des Ethikinstituts an der Wilhelm Löhe Hochschule, bezogen die Experten streitbare Positionen, die damit eine lebendige Diskussion herausforderten. Das konfessionelle Profil in einem Spiritual-Care-Team oder die besonderen Kompetenzen kirchlicher Seelsorge wurden grundsätzlich hinterfragt. Im Blick auf die praktische Begleitung Sterbender wurde die rituelle Kompetenz und die Befähigung zum Umgang mit den wesentlichen Warum-Fragen am Lebensende herausgestellt. Und auch notwendige wie provozierende Rationierungsfragen blieben nicht aus. Denn eine (umfassende wie nicht kirchliche) spirituelle Ausbildung des Pflegepersonals kostet Zeit und Geld, ebenso die kirchliche Seelsorge. Ein Konsens zu den Herausforderungen war am Ende nicht zu erwarten gewesen. Dafür wurden neue Fragen angestoßen. Einig war man sich in der besonderen Bedeutung ausdrücklich kirchlicher Seelsorge. Die Fragen ihrer praktischen Zukunftsfähigkeit angesichts der neuen Herausforderungen wurden an dem Abend deutlich geschärft. Zum ersten Nachdenken darüber trug der Rahmen mit mal ruhigen, mal schwungvollen christlichen Lieder von Helen Jordan bei.

> Ethikinstitut

Zwischenbericht zum Forschungsprojekt „Pflegeflex“ vorgestellt

Benötigt die stationäre Pflege zusätzliche Organisationsformen – Zwischenbericht zum Forschungsprojekt „Pflegeflex“ vorgestellt

Die jüngsten Zahlen des Barmer GEK-Pflegereports lassen aufhorchen. 59 % der Personen, die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, kommen aus dem Krankenhaus. Die Familie, häufig Töchter oder Ehefrauen, die das Gros der ambulanten Pflege übernehmen, stehen immer mehr vor der Herausforderung, mit den Belastungen einer Pflege zu Recht zu kommen. Pflegeheime, die aus wirtschaftlichen Gründen das Ziel einer Vollauslastung anstreben müssen, können häufig den vermeintlich wachsenden Bedarf nach Kurzzeitpflegeplätzen nicht abdecken. Diese Herausforderung gerade für einen dezidiert ländlichen Raum zu erforschen, deckt das Forschungsprojekt „Pflegeflex“ ab. Das Forschungsinstitut IDC untersucht mit gesundheitsökonomischen Methoden ein vom BRK-Kreisverband Kronach zusammen mit dem Kronacher Betreuungsnetz „Lebensqualität für Generationen“ entwickeltes Modellprojekt, in dem fünf zusätzliche flexible Plätze ausschließlich für Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen. In einer Zwischenauswertung konnte das Team des IDC - Institutsleiter Prof. Jürgen Zerth und Dr. Michael Schneider – festhalten, dass Pflegeflex gerade für die abweichend vom Bundesdurchschnitt deutlich höhere ambulante Pflegebereitschaft im Landkreis Kronach entlastend gewirkt hat. Die Analyse der Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege seit Mitte 2015 lasse erkennen, dass ohne Pflegeflex jede zweite Anfrage hätte abgelehnt werden müssen. Aus den Daten lasse sich ebenfalls ableiten, dass es keine erkennbaren Unterschiede im Nachfrageverhalten gebe, so dass Pflegeflex nicht zusätzliche Nachfrage generiere, sondern nach der jetzigen Datenlage latenten Kurzzeitpflegebedarfe abdecken helfe, so Prof. Jürgen Zerth bei der Vorstellung des Zwischenberichts in Kronach. Die endgültigen Auswertungen gerade auch durch eine systematische Befragung der Angehörigen und Analyse der Wirkungsrichtungen der Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege sollen bis Ende 2017 vorliegen. Michael Schneider und Jürgen Zerth sehen in dieser wissenschaftlichen Begleitung auch die Chance herauszufinden, inwiefern sich die Kronacher Ergebnisse als Muster auf andere ländlich-geprägte Regionen Bayerns oder auch in Deutschland übertragen lassen können. Hier liegt eine besondere Herausforderung für die künftige Forschungsstrategie, so IDC-Institutsleiter Jürgen Zerth.

> Pressebericht
> Pressebericht

Forschungskolloquium vertiefte gemeinsame Lehr- und Forschungsstrategien

Interdisziplinäres Forschungskolloquium vertiefte gemeinsame Lehr- und Forschungsstrategien

Die Forschung an der WLH kann noch mehr gewinnen, wenn es gelingt, die Ideen „kunden- und nutzerintegrierter Innovations- und Imitationsprozesse“ mit einem gut abgestimmten Methodendesign weiter zu entwickeln. Über dieses Zwischenfazit waren sich die Referenten des ersten WLH-offenen interdisziplinären Forschungskolloquiums „Fragen zur Innovationsforschung“ einig. Das Forschungskolloquium wurde vom Forschungsinstitut IDC initiiert. Die WLH will in Forschung und Lehre Gesundheit gestalten, die auf einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Ökonomie, Gesundheitswissenschaften, Ethik sowie Innovationsmanagement basiert. Vor diesem Hintergrund hat das Forschungskolloquium des IDC im Sommersemester die Chance genutzt, unterschiedliche Perspektiven und Ansatzpunkte eines „Innovationsverständnisses“ für die Gesundheitswirtschaft herauszuarbeiten und die Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern an der WLH systematisch zu vertiefen. Fünf Professoren haben mit Impulsvorträgen Aspekte von Innovationsforschung im Gesundheitswesen vorgestellt und in intensiven Diskussionen Ansatzpunkte der gemeinsamen Forschungs- und Lehrtätigkeit weiterentwickelt. Dabei wurden sowohl Aspekte des zielorientierten Managements von Daten in ausgesuchten Forschungs- und Anwendungsprojekten des Gesundheitswesens diskutiert (Prof. Florian Meier), Ansatzpunkte für gelingende Praxislösungen und F&E-Strategien bei integrierten Versorgungsprojekten für Menschen mit Demenz beleuchtet (Prof. Stefanie Richter), eine Priorisierungsmatrix im Sinne einer Forschungsagenda „kundenzentrierte Innovation“ adressiert (Prof. Clifford Sell), ein Forschungsprogramm „Begabungsfaktoren Pflege“ vorgestellt (Prof. Carl Heese) sowie im Eingangsvortrag Aspekte der gesundheitsökonomischen Bewertung von Innovations- und Imitationsprozessen im Kontext eines „managed competition“ (Prof. Jürgen Zerth) analysiert. Das IDC-Forschungskolloquium wird im nächsten Wintersemester mit einem weiteren Themenschwerpunkt die Diskussionsreihe fortsetzen.

Geschäftsmodelle als Handlungsstrategien in der Gesundheitswirtschaft

Mario Pfannstiel (rechts) zusammen mit Prof. J. Zerth

Die Gesundheitsversorgung orientiert sich zusehends an sektorübergreifenden Versorgungsstrukturen, die durch technologische Entwicklungen wesentlich getrieben sind. In dieser Hinsicht gewinnen strukturierte Geschäftsmodelle an Bedeutung, die es ermöglichen die vielfältigen Interaktionsbeziehungen zwischen den Akteuren der Gesundheitsversorgung zu verdeutlichen und insbesondere die Fragen nach Wertbeiträgen deutlicher hervorzuheben. Diese Schlussfolgerung konnte Mario Pfannstiel, Wissenschaftler am Kompetenznetzwerk „Vernetzte Gesundheit“ der Hochschule Neu-Ulm in seinem Vortrag im Rahmen der Reihe Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und des Gesundheitsmanagements (Prof. Dr. Jürgen Zerth) ziehen. Pfannstiel, dessen wissenschaftliche Arbeit den Bereich Dienstleistungsmanagement im Gesundheitswesen aus vielschichtiger Perspektive beleuchtet kann sowohl auf eine ökonomische als auch medizinische Ausbildung zurückblicken und hat vor seiner Tätigkeit an der Hochschule in Neu-Ulm an der Universität Bayreuth und zuvor im Management des Herzzentrums Leipzig gearbeitet. In seinem  Vortrag wurde deutlich, dass die junge Entwicklung von theoretisch und empirisch belastbaren „Geschäftsmodellentwicklungen“, die in den letzten zehn Jahren an Bedeutung gewonnen hat, gerade im Gesundheitswesen schnell voranschreitet und viel stärker von klientenorientierten Versorgungsbildern getrieben wird. Das Zusammenspiel an veränderten chronischen Morbiditätsbildern und kontinuierlich wachsenden Entwicklungen der Medizintechnik mache die Frage nach vernetzten Organisations- und Entwicklungskonzepten offensichtlich, so der Neu-Ulmer Wissenschaftler in seinem Gastvortrag.

Die ausführliche Diskussion, an der neben den Studierenden der Gesundheitsmanagementstudiengänge auch die Mitarbeiter des Forschungsinstituts IDC teilnahmen, beleuchtete insbesondere die Frage, inwiefern erfolgreiche Geschäftsmodellbeispiele sektorübergreifende Versorgungskonzepte, die aus dem europäischen wie internationalen Ausland bekannt sind, auf die deutsche Situation zu übertragen sind. Dabei wurde deutlich, das zur nachhaltigen Gestaltung von Versorgungsketten Standardisierungs- und Marktdurchdringungsstrategien notwendig seien und daher fast zwangsläufig Größeneffekte erfolgskritisch werden, so Prof. Zerth in der Diskussion. Mit Pfannstiel zeigte sich Zerth darüber einig, dass die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellentwicklungen gerade in der Gesundheitswirtschaft neben hohem Potenzial noch viele Berührungsängste abbauen muss, dezidiert über Wertbeiträge von Gesundheitsversorgung zu sprechen.

Preise des 2. Schülerwettbewerbs Ethik in Fürth verliehen

Im Rahmen einer Feierstunde wurden am Freitag, den 10.6.2016 die Preisträger des 2. Schülerwettbewerbs Ethik des Wilhelm Löhe Ethikinstituts (WLE) geehrt. Die Festrede hielt der ehemalige Landesbischof Dr. Johannes Friedrich. Er ermutigte zu einer Kultur der Toleranz statt der Angst. Es sei aber auch aus christlicher Sicht ein klares Bekenntnis zu den eigenen Werten nötig. Dazu gehöre es auch Grenzen aufzuzeigen. Der Leiter des Wilhelm Löhe Ethikinstituts Prof. Elmar Nass lobte den hohen Grad an Reflexion, Kreativität und Originalität, mit dem die Schüler brisanteste Themen aufgreifen und dabei klar ihre Meinung artikulieren. Das passe gut zur WLH, sei ein Vorbild für unsere Gesellschaft und mache Mut für die Zukunft.

> Festvortrag

Im Anschluss fand das traditionelle Campusfest der Wilhelm Löhe Hochschule statt.  Unter den zahlreichen Einsendungen konnten sich folgende Preisträger durchsetzen:

1. Platz Gymnasium Neubiberg
11. Klasse Magazin: „Vor unseren Türen“
Thema Obdachlose

2. Platz Christoph-Probst-Gymnasium Gilching
Q 11 Ethik Filme:
„Künstliche Intelligenz“, „Gentechnik I“, „Gentechnik II“

3. Platz Krankenpflegeschule Neuendettelsau
Kurs 2014-17 Film: „Organspende“

Sonderpreis Kreativität Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt
Ethik-Kurs: 9. Klasse Musikstück: „Macht eure Augen auf“
Thema: Wach werden für Probleme

Laudatorin StD Britta Stolte vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München stellte die herausragenden Beiträge vor, ehe die Schüler selbst zu Wort kamen und ihre Ideen präsentierten. Der 1. Preis wurde vergeben für ein sehr professionell gestaltetes Magazin, in dem die Schüler umfassend das fast vergessene Schicksal vieler Obdachloser in unserer Gesellschaft beleuchten: durch Zahlen, Interviews mit Betroffenen und sehr erhellende Vergleichen. Das geht nahe und rüttelt auf, diese Menschen wieder mehr in den Blick zu nehmen! Den 2. Preis gab es für mehrere pfiffige Kurzvideos, in denen Schüler begründet die Praktiken von Monsanto kritisieren und philosophisch fundiert die Probleme aufzeigen, die etwa mit dem Vormarsch künstlicher Intelligenz verbunden sind: Das wurde leidenschaftlich, klar und kurzweilig präsentiert. Der 3. Preis thematisiert die Organspende mit einem emotional wie informativ gestalteten Film. Zu sehen sind Fakten und bewegende Interviews. Das Plädoyer der Schüler für die Organspende ist drastisch wie überzeugend präsentiert, auch wenn man dann sicher noch weiter diskutieren kann. Der Sonderpreis ging an einen Rap-Song: Dass eine 9. Klasse einen so professionell gesungenen Song als Ohrwurm auch noch bei der Präsentation live präsentiert, ist wirklich verblüffend. Es wird darin aufgerufen, sich nicht frustrieren und täuschen zu lassen angesichts vieler Probleme heute. Wir sollen die Augen aufmachen, selber denken, dann könnte vieles besser gehen. Natürlich eine visionäre Hoffnung, die aber aufrüttelt.
Zur Jury gehörten: der Fürther Bürgermeister und Schirmherr Markus Braun, der Sponsor und Fürther Unternehmer Reza Tabrizi, StD Georg Zwack aus Bamberg, StD Britte Stolte, WLH Student Manuel Schmidt und Elmar Nass. Insgesamt gingen Beiträge aus ganz Bayern ein: Aufsätze, Musikstücke, Podcasts, Karikaturen u.v.a.m. Thematisch ging es um Fragen der Flüchtlinge, Klima, Terror, Organspende, Politikverdrossenheit u.v.a.m. Die Jury war sich einig über die hohe Qualität der eigegangenen Beiträge. Das Bildungsministerium hatte in seinem Rundbrief auf den Wettbewerb hingewiesen. Und die dritte Runde des Wettbewerbs wird bald eingeläutet. Jury und WLH freuen sich schon auf neue, tolle Ideen.

Forschungstreffen zur christlichen Unternehmenskultur

WLE und IDC beim zweiten Forschungstreffen zur christlichen Unternehmenskultur zu Gast in Hannover

Bereits zum zweiten Mal traf sich auf Initiative des Wilhelm Löhe Ethikinstituts und des IDC Forschungsinstituts am 11.05.16 ein Kreis interessierter Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen, um sich über ihre Arbeit im Themenfeld „Organisationskultur in Unternehmen und Einrichtungen in konfessioneller Trägerschaft“ auszutauschen. Das Treffen fand im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD in Hannover statt, wohin Prof. Gerhard Wegner (Institutsleitung) hatte. Besonders erfreulich war dabei, dass dieser Kreis zwischenzeitlich zunehmend bekannter und weiter gewachsen ist. So konnten diesmal 13 Teilnehmende begrüßt werden.

Den Schwerpunkt bildeten zwei Slots à 1,5 Stunden, die jeweils mit einem Impulsbeitrag und Diskussion gefüllt wurden. Im ersten Teil stellte Peter Jaensch (IDC) ein Modell zur Taxonomie wertebasierter Unternehmen zur Diskussion, das er gemeinsam mit  Elmar Nass, Jürgen Zerth  und Michael Zirlik  (alle WLE / IDC) entwickelt hatte. Dabei wurde deutlich, dass die Verortung zwischen christlichem Leitbild  und ökonomischen Notwendigkeiten, wie sie auch die Wilhelm Löhe Hochschule vertritt, ein Management erfordert, das den unterschiedlichen Rationalitäten gerecht werden kann. Auch muss zwischen einem christlichen Unternehmer und einem christlichen Unternehmen unterschieden werden. Im zweiten Teil stand das laufende Forschungsprojekt „Merkmale diakonischer Unternehmenskultur“, eine Kooperation von IDM und FhdD Bielefeld im Mittelpunkt. Beate Hofmann erläuterte die Herangehensweise und das Untersuchungsdesign und ermöglichte einen ersten Einblick in die Ergebnisse. Eine Kernbotschaft war dabei, exklusive Merkmale diakonischer Kultur nicht nur im verengten Blick in Abgrenzung zu anderen werteorientierten Sozialunternehmen zu suchen. Vielmehr ist es notwendig, diakonisches Profil auch daran zu messen, was als Gegenstand diakonischen Tuns „allgemeingültig“ als notwendiges Handeln im Sozialbereich erwartet wird.

In der Veranstaltung zeigte sich ein weiteres Mal, wie vielfältig das Forschungsfeld ist, wie viele Fragen noch offen sind und wie unterschiedlich die Herangehensweisen sein können. Einig waren sich alle Teilnehmer über den hohen Wert dieser Initiative: So wird  es im Zeitraum Dezember / Januar ein drittes Treffen geben, bei dem neben dem Thema „Franziskanische Impulse“ auch gezielt über weitere Aktivitäten aus dieser Gruppe heraus diskutiert werden soll. 

Staatssekretär Stefan Müller zu Gast an der Wilhelm Löhe Hochschule

Dr. Sabine König Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Erlanger Bundestagsabgeordnete, Stefan Müller, stattete der Wilhelm Löhe Hochschule auf Einladung des Präsidenten Dr. Ingo Friedrich einen Besuch ab. Neben einer kurzen Vorstellung und Besichtigung der Hochschule standen die Forschungsaktivitäten im Mittelpunkt.

Prof. Dr. Jürgen Zerth, Vizepräsident der Wilhelm Löhe Hochschule und Leiter des zugehörigen Forschungsinstituts IDC stellte die aktuellen Forschungsprojekte vor. Der Schwerpunkt der Forschung liegt in der sozioökonomischen Begleitforschung von technischen und organisatorischen Innovationen im Gesundheitswesen. Im jüngsten Projekt SeLe, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist die Untersuchung einer personenbezogenen Sensorlösung zur Kontrolle des persönlichen Wasserhaushaltes bei definierten Risikogruppen das Ziel. Das Forschungsprojekt kombiniert mit einem holistischen Forschungsansatz sozioökonomische, medizinische, pflegewissenschaftliche und technikwissenschaftliche Perspektiven. Es soll ein skalierbares Dehydrierungs-Frühwarn-System entwickelt und sowohl die (klinische) Effektivität als auch die gesellschaftliche Akzeptanz, Akzeptabilität sowie die gesundheitsökonomische Effizienz untersucht werden. Staatssekretär Müller wies darauf hin, dass die Gesundheitsforschung ein sehr bedeutender Bereich im BMBF ist. Um die Verwertung zu fördern und zu beschleunigen sei es wichtig, neben technologischen Aspekten auch die Nutzersicht und Akzeptanz einzubinden. Damit sei die WLH auf einem guten Weg.

Staatssekretär Stefan Müller zu Gast an der Wilhelm Löhe Hochschule. v.r. Vizepräsident

Gründung des Fachbereichstages Gesundheitswissenschaften

Am 16.03.16 fand im Vorfeld des Kongresses Armut und Gesundheit in Berlin die Gründungsveranstaltung des Fachbereichstages Gesundheitswissenschaften (FBT GW) statt. 26 Hochschulen und Universitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Studiengänge mit relevantem gesundheitswissenschaftlichen Themenbezug anbieten, haben bereits die Erklärung zur Gründung des Fachbereichstages unterzeichnet und gehören somit zu den Mitgliedern. "Wie auch bereits bestehende Fakultäten- und Fachbereichstage stellt der FBT GW ein formal legitimiertes Interessenvertretungsorgan dar, fungiert als Ansprechpartner für hochschulpolitische Akteure, wie die Hochschulrektorenkonferenz, und beantragt einen Sitz sowie eine offizielle Stimme in der Konferenz der Fachbereichstage."

Um die weitere Arbeit voranzutreiben, wurden 5 Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen als offizielle Sprecherinnen und Sprecher gewählt.

Prof. Dr. Kerstin Baumgarten (Hochschule Magdeburg-Stendal),Prof. Dr. Mathias Bonse-Rohmann (Hochschule Hannover), Juliana Dlugosch (Hochschule Furtwangen), Prof. Dr. Ilsabe Sachs (Hochschule Neubrandenburg), Prof. Dr. Walter Swoboda (Hochschule Neu-Ulm)

Die weiteren Ziele, Informationen und eine Übersicht der Mitgliedshochschulen können der beigefügten, offiziellen Gründungserklärung entnommen werden.

> Gründungserklärung

Gründungsveranstaltung Fachbereichstag Gesundheitswissenschaften

Wilhelm Löhe Hochschule beruft zwei neue Professoren

Zum 1. April wurden an der Wilhelm Löhe Hochschule zwei neue Professoren ernannt. Prof. Dr. Carl Heese wird die Professur „Sozialpädagogik“ übernehmen und Prof. Dr. Florian Meier „Management und Information im Gesundheitswesen“. Prof. Carl Heese ist Pädagoge und Psychologe und hatte nach verschiedenen Stationen an Hochschulen und im Gesundheitswesen zuletzt die Vertretungsprofessur für Gesundheitspädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt inne. Prof. Meier hat nach einem Studium der Sozialwissenschaften am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der Universität Erlangen-Nürnberg promoviert und als Berater ein breites Spektrum des Gesundheitswesens kennengelernt. Prof. Meier möchte den Studierenden in seinen Veranstaltungen das Handwerkszeug für die Praxis vermitteln, damit sie die Fähigkeit erwerben, Managementaufgaben in Einrichtungen des Gesundheitswesens übernehmen zu können. Die Hochschulleitung mit Präsident Dr. Ingo Friedrich, Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Zerth und Kanzlerin Dr. Sabine König hießen die neuen Professoren herzlich im Forschungskreis der Hochschule willkommen. Die Wilhelm Löhe Hochschule ist eine Hochschule für angewandte Wissenschaften und bietet Bachelor- und Masterstudiengänge im Gesundheits- und Sozialmarkt an.

Dr. Sabine König, Dr. Ingo Friedrich, Prof. Dr. Carl Heese, Prof. Dr. Florian Meier, Prof. Dr. Jürgen Zerth (v. links n. rechts)

Dr. Ingo Friedrich Sprecher des Vorstandes der Münchner Europakonferenz

Präsident der Wilhelm Löhe Hochschule Dr. Ingo Friedrich neuer Sprecher des Vorstandes der Münchner Europakonferenz

Der langjährige Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Präsident des Europäischen Wirtschaftssenats Dr. Ingo Friedrich wurde nun zum Sprecher des Vorstandes der Münchner Europakonferenz berufen. In Zusammenarbeit mit der renommierten Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) wurde diese 2015 von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft gegründet. Ihr Ziel ist es, Impulse für eine gedeihliche und erfolgreiche Weiterentwicklung der Europäischen Union zu setzen. Sie ist überparteilich und als gemeinnützig anerkannt und hat 2016 zu Beginn der MSK ein wissenschaftliches Symposium mit den Professoren di Fabio und Sinn organisiert. Seit 2015 findet am jeweiligen Vorabend der MSK ein Europadinner mit internationalen Referenten und Gästen aus Politik und Medien statt, die aktuelle europapolitische Themen diskutieren. So stand als Thema in diesem Jahr »Die europäische Krise als Chance« auf dem Programm. Beiträge lieferten neben EU-Kommissar Günther Oettinger u.a. der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn, der estnische Staatspräsident Henrik Ilves, der Europaabgeordnete Markus Ferber und der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz (MSK) Botschafter Wolfgang Ischinger. Im Gründungstext heißt es »Wir sind überzeugt, dass Europa unter Erhalt der regionalen Besonderheiten und der staatlichen Souveränität zum Erhalt von Frieden und Wohlstand auch außerhalb Europas beitragen kann.« Im Vorstand der Münchner Europakonferenz sind neben Dr. Ingo Friedrich, die Rechtsanwälte Stefan Friederich, Stavros Konstantinidis und Moritz Graf zu Ortenburg, sowie Dr. Benedikt Franke von der MSK und Mario Keller vertreten. Die Geschäftsführung hat Stephanie von Tiedemann und das Kuratorium wird von dem Münchner Unternehmer Martin Schoeller geleitet. Europapolitiker Ingo Friedrich: »Am Beispiel der Gründung der Münchner Europakonferenz zeigt sich, dass neben der Politik bürgerliches Engagement für eine erfolgreiche Zukunft des Projektes Europa unverzichtbar ist.«       

Ehome-Center Nürnberg zu Gast beim Forschungsinstitut IDC

Beim Forschungsinstitut IDC an der Wilhelm Löhe Hochschule war letzte Woche das EHome-Center Nürnberg zu einem Kolloquium zu Gast. Ziel war es, Entwicklungsfortschritte ausgesuchter Forschungsprojekte zu diskutieren und Impulse anderer Forschungs- wie Industriepartner zu nutzen. Die beiden Institutionen sind seit drei Jahren Kooperationspartner und trafen sich zum nun sechsten EHome-Kolloquium.

Das IDC, das Forschungsinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule, befasst sich mit verschiedenen Fragen einer intelligenten Umgebung des Gesundheitsstandortes „Zuhause“. Das EHome-Center am Energie-Campus in der Nürnberger Fürther Straße kombiniert Forschung und Anwendungsentwicklung für eine smarte Wohnumgebung in der Zukunft. Bei diesem Vorhaben werden Anforderungen ökonomischer, ökologischer und sozialer Art berücksichtigt. Der Geschäftsführer des EHome-Centers, Dr. Markus Michl, verwies auf die hohe Bedeutung interdisziplinärer Forschung am Center. Eine Smart-Living-Umgebung der Zukunft bedeute eine gelungene Kombination aus intelligenten Technologien mit passenden Nutzungs- und Dienstleistungsstrategien zu gestalten. Hier setze die Zusammenarbeit mit Forschungsarbeiten des IDC an, wie IDC-Leiter, Prof. Zerth, ergänzen konnte. Das gemeinsame Forschungsprojekt Mentalhealh@home bspw. ermöglicht, ein gruppenbasiertes Präventionsprogramm zur Förderung motorischer und kognitiver Leistungen für Demenzkranke auf die Umsetzung in einer virtuellen Umgebung zu testen. Ziel ist es, die Gruppenintervention auch für Menschen zugänglich zu machen, die aufgrund mangelnder Mobilität oder mangelnden Angebots nicht in der Lage sind, eine entsprechende Übungsgruppe zu besuchen. Eine 3D-Kamera soll die Steuerung und Ausführung des MH@h Programms durch Gesten und Bewegungen ermöglichen, gleichzeitig kann mit dem Kameramodul die Qualität der Übungsdurchführung kontrolliert werden. Der Nutzer erhält sofort Rückmeldung und ist in der Lage die Übungsausführung zu korrigieren.

Teilnehmer des sechsten EHome-Kolloquiums, in der Mitte der Geschäftsführer, Dr. Markus Michl, Jürgen Besser (rechts außen) und Prof. Jürgen Zerth vom IDC (links außen)

WLH-Studierende erfolgreich im Medical Valley Health Care Innovation Camp

Gleich zwei Siegergruppen mit WLH-Beteiligung wurden im Rahmend der Siegerehrung des Health Care Innovation Camp am 1. März in Bamberg ausgezeichnet. Das Health Care Innovation Camp des Medical Valley e. V. vereint die Hochschulen der Metropolregion mit angewandten Projektfragestellungen, die von Firmen im Kontext der Gesundheits- und Pflegewirtschaft in den Contest eingebracht werden. Studierende bearbeiten in hochschulgemischten Teams die Aufgabenstellungen. Dieses Mal waren es sechs Aufgaben, die von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft ausgelobt worden sind. Die WLH war mit Emanuela Hendrich im Sieger-Team zur Aufgabenstellung „Der Patient als Manager seiner Therapie“ eingebunden, das untersucht, welche Rolle der Patient im veränderten, digitalisierten Gesundheitssystem der Zukunft einnehmen wird. Zusammen mit einer anderen Hochschulgruppe wurde bei dieser Aufgabe der erste Platz geteilt und das Team mit Frau Hendrich kann sich über ein Preisgeld von 750 € freuen.

Einen weiteren ersten Platz konnte das Team zur Aufgabenstellung „Entlassungsmanagement der Zukunft“ erreichen, in das die WLH-Studierenden Laura Behrens sowie Matthias Langen  mit Kollegen aus der FAU und der Universität Bamberg eingebunden waren die Frage zu diskutieren, wie im Hinblick auf die Gesundheitsregion Bamberg ein zukunftsfähiges Entlassmanagement aufgebaut werden kann. Hier wurde ein neu konzipiertes Entlassungsmanagementmodul mit unterschiedlichen Leistungserbringern und unterschiedlichen Organisationselementen verknüpft und untersucht. Das Preisgeld beträgt 1.500 Euro.

Matthias Langen, der gerade sein Bachelorstudium an der WLH abschließt, zeigte sich gewiss, dass die Mischung aus den Grundlagenveranstaltungen Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement sowie den angewandten Erfahrungen im Projektmanagement, die im Studium an der WLH systematisch angelegt sind, den WLH-Studierenden in den beiden Teams sehr geholfen haben. „Gleichzeitig können wir von Erfahrungen anderer Studierender lernen und uns auch als WLH-Studierende in der Region vernetzen“ ergänzten Emanuela Hendrich und Laura Behrens noch.

Emanuela Hendrich, links, mit der Urkunde für das Team „Patient als Manager der Gesundheit“ sowie Laura Behrens und Mathias Langen mit der Siegerurkunde für das Team „Entlassmanagement“

In jedem Einzelfall nach den Ursachen fragen

Die Mitglieder des Ethikbeirats trafen sich zu ihrer konstituierenden Sitzung. Diese bildete den Anlass für eine Diskussion zum Thema Sterbehilfe, an der auch WLH-Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Zerth (rechts) und der emeritierte Rektor der Diakonie Neuendettelsau, Prof. Dr. h. c. Hermann Schoenauer (links) teilnahmen.

Beim Thema Sterbehilfe gibt es keine einfachen Lösungen

Auf hohem Niveau bewegte sich die Diskussionsrunde, zu der der Beirat des Wilhelm Löhe Ethikinstituts in Fürth eingeladen hatte. „Was tun, wenn Oma sterben will?“ lautete die Frage. So unterschiedlich die Antworten ausfielen – einig waren sich alle, dass es in Sachen Sterbehilfe keine einfachen Lösungen gibt.

Fragen Sie kritisch, beziehen Sie Position“, ermutigte zum Auftakt der Vizepräsident der Wilhelm Löhe Hochschule, Prof. Dr. Jürgen Zerth, die rund 70 Schüler und Studierenden, die zu der Diskussion gekommen waren. Zunächst kamen die Mitglieder des Ethikbeirats zu Wort, dem auch Staatsminister Dr. Markus Söder angehört, der allerdings verhindert war. WLH-Studentin Awesta Starck hält lebensverkürzende Maßnahmen bei schwerst kranken Menschen im Einzelfall für gerechtfertigt. Allerdings müsse jeder Grenzfall situationsbezogen entschieden werden, sagte sie. Britta Stolte vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung riet dazu, auf die Ursachen zu schauen, wenn Menschen den Wunsch äußern zu sterben. Die Palliativmedizin könne viel tun und die ambulante Betreuung müsse verstärkt werden. Aktive Sterbehilfe lehnt sie ab, und sie will das Selbstbestimmungsrecht des Menschen nicht auf das Sterben reduzieren. „Warum will Oma sterben?“, lautet für Dr. Annekathrin Preidel, Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode Bayern, die wichtige Frage. Der aktiven Sterbehilfe setzt sie das Konzept einer „High-Tech-Fürsorge“ entgegen. Für die Jugend sei das Thema Tod weit weg, meinte Evi Kurz, Vorsitzende des Ludwig-Erhard-Initiativkreises und der Stiftung Ludwig Erhard Haus. Für sich selbst würde sie sich wünschen, darüber mitzubestimmen, sagte sie, aber das sei ein „schwieriges Thema“, bekannte sie. Einen genauen Blick auf die Situation forderte Prof. Dr. mult. Nikolaus Knoepffler von der Universität Jena: „Handelt es sich um einen momentanen Hilferuf oder den tiefen Wunsch, zu gehen? Geht es um assistierten Suizid oder aktive Sterbehilfe?“ Die anschließende Diskussion wurde vom Leiter des Ethikinstituts, Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, moderiert. Während einige Stimmen aus der Runde sich zum Recht bekannten, über das Ende des eigenen Lebens selbst zu bestimmen, blieb Synodalpräsidentin Preidel dabei, dass statt Sterbehilfe das „Einüben in das Begleiten des Leidens“ wichtig sei. Während auf der einen Seite befürchtet wird, dass eine Liberalisierung der Sterbehilfe das Einfallstor für gesellschaftlichen Druck bildet, das Leben zu beenden, sieht man auf der anderen Seite Widersprüche: Wieso darf man Selbstmord begehen, aber, wenn man dazu nicht mehr in der Lage ist, sich dabei nicht helfen lassen? Ist assistierter Suizid nicht besser als ein Sprung vor den Zug? Umstritten blieb auch, welche Rolle die Erfahrung aus der nationalsozialistischen Diktatur spielt. Die Euthanasie sehen manche als warnendes Beispiel, während andere hier einen grundsätzlichen Unterschied sehen. Damals habe der Staat Menschen das Recht auf Leben abgesprochen, während es heute um die Entscheidung des Einzelnen über sein Leben gehe. Einigkeit bestand zum Ende hin jedenfalls darüber, dass die Diskussion erst am Anfang steht und Deutschland noch lange beschäftigen wird. Vor der Debatte hatte der emeritierte Rektor der Diakonie Neuendettelsau, Prof. Dr. h.c. Hermann Schoenauer, das neue Kreuz der WLH gemeinsam mit Prof. Nass eingeweiht. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Schüler und Studierenden Gelegenheit, das Thema mit Prof. Dr. Christine Fiedler zu vertiefen. Die Mitglieder des Ethikbeirats zogen sich unterdessen zu ihrer konstituierenden Sitzung zurück.

Management der außerklinischen Intensivpflege

Schnittstellenversorgung im spezialisierten Kontext – Management der außerklinischen Intensivpflege

Ambulant vor stationär ist ein übliches Erwartungsbild der deutschen Gesundheitspolitik. Gerade im Kontext des Bedeutungsgewinns chronischer-Krankheiten, der veränderten familiären Betreuungsstrukturen und auch wachsender technologischer Möglichkeiten hat die außerklinische Intensivpflege in den letzten Jahren deutlich an Relevanz gewonnen. Frau Dr. Gesa Flüchter, Leiterin Qualität der Deutschen Fachpflege Gruppe, konnte in ihrem Vortrag in der Reihe „Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagements“ diesen spezialisierten aber an Bedeutung gewinnenden Sektor vorstellen.

Außerklinische Intensivpflege knüpfe an der Organisation des Patientenflusses an, gerade im Hinblick auf Fortsetzung von Überleitungsmanagement bei schwer erkrankten Personen, deren Gesundheitszustandes ohne kontinuierliche Pflege vital bedroht wäre, so Flüchter bei der Beschreibung des Sektors. Etwa 50 % der betreuten Patienten würden beatmet. Strukturell finde die Versorgung in Form von Einzelversorgungen oder auch in betreuten Wohngruppen statt, in beiden Formen spiele die Gewährleistung der fachlichen Qualität die entscheidende Rolle. Im Rückblick der Jahre 2013-2016 und in der Prognose in die nähere Zukunft zeichnete Dr. Flüchter ein kontinuierliches Wachstum des Bedarfes aber auch eine wachsende Anzahl von Anbietern im deutschen Gesamtmarkt nach. Die Anforderung an eine zielführende Managementleistung sei dabei von drei wesentlichen Herausforderungen gekennzeichnet. Einerseits sei der Markt an der Schnittstelle zwischen Anspruch an die Kranken- und die Pflegeversicherung angesetzt, andererseits finde gegenwärtig noch eine Einzelverhandlungslösung auf Patientenebene statt, die etwa zu variierenden Stundensätzen führen würde. In der Diskussion wurde dabei deutlich, dass zwar Unternehmenswachstum oder auch Wohngruppen ansatzweise zu Kostendegressionseffekten führen könnten, diese aber angesichts der notwendigen hohen Qualitätsanforderung an die individualisierte Pflege nur gering umsetzbar bleiben. Gerade die außerklinische Intensivpflege könne nur durch eine Qualitätsstrategie langfristig erfolgreich sein, die etwa die Erfassung qualitätsbezogener Kennzahlen oder Durchführung unangekündigter Visiten als Pflichtbestandteile einer guten Versorgungsgarantie werden lassen, war sich Gesa Flüchter bewusst.

 

 

Dr. Gesa Flüchter mit Prof. Jürgen Zerth, dem Initiator der Vorlesungsreihe

Daten als Schlüssel zur effektiven und effizienten Patientensteuerung

Daten als Schlüssel zur effektiven und effizienten Patientensteuerung – die Rolle der Routinedaten im Gesundheitswesen

Das deutsche Gesundheitswesen gewinne durch eine verbesserte Struktur des Datenmanagements und Routinedaten seien eine wichtige Datenbasis zur Steuerung und Evaluation der Versorgung im Gesundheitswesen. Diese Schlussfolgerung konnte Prof. Dr. David Matusiewicz, Professor für Gesundheits- und Sozialmanagement an der FOM in Essen in seinem Vortrag im Rahmen der Reihe „Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und des Gesundheitsmanagements“ (Prof. Dr. Jürgen Zerth) ziehen. Matusiewicz, der neben seiner Professur in der Stabstelle Controlling der Novitas BKK tätig ist, konnte die wachsende Herausforderungen von Krankenversicherung im deutschen GKV-System aufzeigen, allgemeine Strategien des Datenmanagements zu entwickeln, die insbesondere im Kontext der Erstattungsregeln des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs als Prognose- und Erfassungsinstrumentarium wirksam sind. Dabei müsse aber auch deutlich werden, dass auch für eine Förderung von Versorgungsforschung, wie häufig auch gesundheitspolitisch gefordert, die Bündelung von Routinedaten aus dem Krankenversicherungssystem erst in den letzten Jahren wirksam und möglich geworden sei, so Matusiewicz. Mit dem Instrumentarium „Gute Epidemiologische Praxis“ sei 2005 erstmalig ein Standard für die Verwendung und Auswertung von Routinedaten geschaffen worden. In den letzten Jahren lasse sich erkennen, dass wissenschaftliche Studien mit Routinedaten aus dem Schattendasein hervorgetreten sind und insbesondere in methodischer Hinsicht wesentliche Fortschritte zu verzeichnen sind. Gesundheitspolitisch gehe diese Entwicklung einher mit der Notwendigkeit methodisch belastbarere Verfahren zur Nutzen- und Kosten-Nutzen-Bewertung des Gesundheitssystems zu entwickeln. Matusiewicz konnte insbesondere deutlich machen, dass Datenmanagement und Dokumentation von Versorgungsverläufen nicht nur angesichts des Bedeutungsgewinns chronischer Krankheiten immer wichtig werden, sondern insbesondere die Perspektiven von Datenmanagement und von systematischer Datenanalyse, etwa durch Strategien von Text-Mining im Hinblick auf „Big Data“ noch viel stärker Teil des Gesundheitswesens werden. Es gelte dabei die notwendige Transparenz über standardisierte Verfahren für alle Beteiligten des Gesundheitswesens herzustellen und dabei die Bedeutung der Datengrundlage für gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse publik zu machen. Ein wichtiger Ansatzpunkt werde beispielsweise sein, wie und mit welcher Weise Routinedaten nun bei der Umsetzung des Innovationsfonds Berücksichtigung finden. Gesundheitsmanager der Zukunft müssten sich sowohl in den Methodiken, in den Möglichkeiten und den Grenzen des Datenmanagements einarbeiten, konnte David Matusiewicz den Studierenden als Botschaft mitgeben.

Prof. David Matusiewicz (Mitte) zusammen mit Prof. J. Zerth, links und dem Vorstand der Novitas BKK, Reiner Geisler.
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