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Bezirkstagspräsident Richard Bartsch und Hochschulpräsident Dr. Ingo Friedrich ehren Studierende

Frau Müller*, mittlerweile 75 Jahre alt, lebt seit mehr als zwanzig Jahren alleine zuhause. In den letzten Jahren traten unterschiedliche und dauerhafte Gesundheitsprobleme auf, die sie in ihrer Alltagsbewältigung und Mobilität zunehmend einschränken. Seit ihr Sohn vor einigen Jahren plötzlich verstarb, lebt sie noch mehr zurückgezogen. Einsamkeit, seelische Belastungen und chronische Gesundheitsprobleme kennzeichnen die aktuelle Lebenssituation. Frau Müller wird vom sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) professionell begleitet, allerdings können die Fachkräfte nicht die Zeit aufbringen, Frau Müller regelmäßig in der Häuslichkeit zu besuchen, mit ihr zu reden und sie zum Beispiel bei einem Spaziergang mit einem Rollator bis zum geliebten Café um die Ecke zu begleiten. Hierfür arbeitet der SpDi mit geschulten ehrenamtlichen Helfer*innen zusammen, die Menschen mit seelischen und psychischen Problemen im Alltag unterstützen und soziale Teilhabe fördern. An dieser Schnittstelle setzt ein gemeinsames Projekt zwischen dem Sozialpsychiatrischen Dienst Fürth und der Wilhelm Löhe Hochschule an. Studierende können sich einerseits in der Begleitung von psychisch erkrankten Menschen sozial engagieren und ihre Erfahrungen andererseits in Lehrveranstaltungen systematisch reflektieren. Sie erhalten vorab eine Schulung und werden im gesamten Prozess vom Team des SpDi unterstützt, zum Beispiel in regelmäßigen Supervisionssitzungen. Zugleich setzen sich die Studierenden in einer Lehrveranstaltung wissenschaftlich mit Fragen der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Ausgrenzung von psychischen Erkrankungen und den Folgen für die betroffenen Menschen auseinander und diskutieren Strategien der Prävention von Stigmatisierung.

Am 28.03.2017, 14.00 Uhr, werden die ersten vier teilnehmenden Studierenden für ihr Engagement an der WLH Fürth geehrt. Der Präsident des Bezirkstags, Richard Bartsch und der Präsident der Hochschule, Dr. Ingo Friedrich, werden zusammen mit den Projektinitiator* innen, dem Leiter des SpDi Herrn Anton Berndl und Frau Prof. Dr. Stefanie Richter, Professorin für Gesundheitswissenschaften an der WLH, den Studierenden für ihr Engagement danken und die weitere Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes "Angaschmoo" bekräftigen. Eine Studentin besucht Frau Müller seit fast einem Jahr jede Woche und mittlerweile gelingt es Frau Müller, mit ihr gemeinsam in das nahegelegene Café zu gehen und dort auch alte Bekannte zu treffen. Sie erzählt über ihr Leben, über ihren Sohn und interessiert sich für das heutige Leben von Studierenden. Sie findet in der Studentin eine Zuhörerin und Gesprächspartnerin und überwindet mit ihr gemeinsam Barrieren im Alltag. Die Studentin findet in der Begleitung der älteren Frau eine sinnstiftende Tätigkeit, sie lernt die subjektive Perspektive eines älteren Menschen mit psychischen Problemen kennen, eignet sich Fachwissen über psychische Gesundheit und Versorgungszusammenhänge an und reflektiert systematisch die Risiken der Ausgrenzung. Neben den persönlichen Erfahrungen gewinnen die Studierenden somit einen differenzierten Blick für Versorgungswelten, in denen sie später professionell arbeiten werden.

*Hinweis: Das Fallbeispiel ist anonymisiert, entspricht ansonsten einem Praxisbeispiel.

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