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Herausforderungen kommunaler Krankenhäuser? – im Spannungsfeld zwischen Patientenversorgung, wirtschaftlicher Notwendigkeit und kommunalpolitischen Interessen

Der Blick auf den Krankenhausmarkt macht deutlich, dass der Druck auf die Akteure konstant hoch bleibt und gleichzeitig die Notwendigkeit für die Positionierung von Krankenhausangeboten, sei es in Integration, Digitalisierung und Spezialisierung, noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Ein Großteil der Krankenhäuser in Deutschland, insbesondere auch kommunale Häuser, sei für diese zukünftigen Herausforderungen aber eher schlecht gerüstet, so das Fazit von Dr. Jochen Baierlein, Partner von Oberender & Partner, einer der spezialisierten Beratungen im Gesundheitswesen. Jochen Baierlein referierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement“ auf Einladung von Prof. Jürgen Zerth. Anhand von acht Thesen konnte Dr. Baierlein die wesentlichen Herausforderungen für den Krankenhausmarkt aufzeigen und insbesondere deutlich machen, dass kommunale Krankenhäuser sowohl strukturell als auch aufgrund von lokalen politischen Zwängen häufiger in einer schwierigeren Situation sind als beispielsweise freigemeinnützige oder gar private Krankenhäuser. Neben dem Hauptziel für eine zukunftsorientierte Krankenhausversorgung, nämlich künftig stärker Gesundheitsversorgung im Krankenhaus aus der Perspektive von Patientenansprüchen und deren Bedürfnissen zu entwickeln, steht für Baierlein die Frage der Attrahierung qualifizierter Fachkräfte im Mittelpunkt. Neben finanziellen Anreizen gelte es besonders dem Thema Unternehmenskultur und Teamklima Rechnung zu tragen. Baierlein wies darauf hin, dass Mitarbeiter selten eine Einrichtung verlassen würden, Mitarbeiter würden „Manager“ verlassen, wenn sie mit Führung und Einbindung unzufrieden seien. In dieser Hinsicht sind für alle Krankenhäuser Strategien zum zielgerichteten Einsatz von Digitalisierungslösungen wichtig, gegenwärtig investieren die Krankenhäuser im Durchschnitt nur zwischen ein bis drei % des Gesamtbudgets in Digitalisierung. Krankenhäuser der Zukunft werden vor allem dann reüssieren können, wenn sie sich als Stätte (regionaler) Gesundheitskompetenz entwickeln, die sowohl einen Blick auf vor- und nachgelagerte Versorgungsnotwendigkeiten haben können. Hier sind Spezialisierungsnotwendigkeiten wie die Einbindung in Verbundstrukturen notwendig. Gerade kommunale Krankenhäuser würden sich in beiden Bereichen eher schwer tun, wobei es positive Beispiele für eine Reformulierung eines kommunal-basierten Krankenhauskonzeptes gebe. Natürlich müssten derartige Umstrukturierungen auskömmlich finanziert werden können, hier zeige sich darüber hinaus die Problematik am Festhalten des bislang eingeübten Systems dualer Finanzierung. Die Investitionsfähigkeit in Versorgungskonzepte wie in notwendige personelle und technische Strukturen setze aber auch voraus, dass die Idee einer nachhaltig überlebensfähigen Strategie für Krankenhäuser notwendig ist, so Baierlein. Die Problematik der Einflussnahme durch politische Einflussträger erhöhe die Risikosituation kommunaler Krankenhäuser. Hier plädierte der Mediziner Baierlein für konsequente Trennung der Geschäftsführungsfunktion von der politischen Kontrollfunktion. In der Diskussion gab es den Hinweis darauf, dass es notwendig sei, die Bedeutung kommunaler Sicherstellungsziele weiterhin als entscheidendes Ziel einer bürgerorientierten Gesundheits- und Krankenhausversorgung zu betrachten. Gerade aus dieser Perspektive heraus ist aber das häufig kommunalpolitisch motivierte Denken im Aufrechterhalten von lokalen Krankenhausstandorten, die sich weder kurz- noch langfristig infolge fehlender Auslastung tragen lasten, keine zielgerechte Umsetzung des Ziels der Förderung der Gesundheitsversorgung auch außerhalb von Ballungszentren. Nicht nur Digitalisierungslösungen sondern auch unterschiedliche organisatorische Formen der Zusammenarbeit von Krankenhäusern mit ambulanten Anbietern bieten hier Chancen für neue Gestaltungsoptionen von Gesundheitsangeboten, gerade auch in kommunaler Trägerschaft.

Zeigte sich von der Bedeutung kommunaler Krankenhäuser auch in Zukunft überzeugt, Dr. Jochen Baierlein mit Prof. Dr. Jürgen Zerth vor der Löhe-Büste.
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