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Student Hochschule WLH Wilhelm Löhe Hochschule Fürth

aus dem Hochschulleben

Nachgefragt: Antworten von Prof. Dr. h. c. Herbert Rebscher, zur zweiten virtuellen Ringvorlesung: „Evidenz und dann? - Verantwortung der Akteure für Versorgungsforschung und einewissensbasierte Versorgungspraxis

Prof. Dr. h. c. Herbert Rebscher beantwortet Fragen zur Ringvorlesung „Evidenz und dann? - Verantwortung der Akteure für Versorgungsforschung und einewissensbasierte Versorgungspraxis

 

Themenreihe „Bilder von Gesundheit und Pflege: was wird kommen, was wollen wir akzeptieren?“

Frage 1: Sie sprechen sich für eine stärkere Differenzierung von evidenzbasierter Forschung und outcomebezogener Versorgung aus. Nun zeigen sich gerade angesichts der Corona-Epidemie zahlreiche nationale Egoismen, wo bei der Herstellung eines Impfstoffes nicht einmal mehr der Standard guter medizinischer Evidenz eingehalten wird. Wie notwendig ist daher auch eine stärkere internationale Öffentlichkeit für die Bedeutung „gesicherten Wissens“?

Prof. Rebscher: Die ist natürlich sehr wichtig und ich kann nur hoffen, dass die Cochrane Stiftung und auch die großen internationalen Evidenzinstitutionen (FDA, NICE, IQWIG etc.) massiv darauf drängen und auch politisch unabhängig bleiben. In dem Zusammenhang ist es auch extrem kontraproduktiv, dass Spekulationen über Vertragsdetails mit Regierungen kolportiert werden, nach denen Unternehmen wegen der Dringlichkeit des Impfstoffes von Schadensersatzforderungen freigestellt werden sollen…


Frage 2: Eine Vielzahl neuer Therapiemöglichkeiten werden künftig auch „digital“ verknüpft sein. Verliert sich nicht das Bild einer klaren Evidenz, wenn immer stärker Apps, Medizinprodukete etwa zusammen mit Arzneimittel verknüpft werden müssen? 

Prof. Rebscher: Warum sollte das so sein? Auch das kann man in guten Studien abbilden und in begleitenden Versorgungsforschungsanalysen gut abbilden. Eine neue Herausforderung, JA; aber eine lösbare….


Frage 3:
Warum wird beispielweise dann in Deutschland mit dem Digitalen Versorgungsgesetz eine neue regulative Ebene eröffnet, wo künftig  „Nutzenaspekte“ vom BfArM behandelt werden soll, obwohl das BfArM doch eher für „Evidenz“ zugeordnet sein müsste?

Prof. Rebscher: Das erschließt sich mir auch nicht. Systematisch gehört diese Aufgabe ins IQWIG und in den GBA. Scheinbar will der Gesetzgeber das weiterhin geltende „Zulassungsverfahren per CE-Kennzeichnung aus privatrechtlicher Basis hier etwas absichern, oder es ist eine Retourkutsche,nachdem sich der GBA gegen gesetzgeberische Übergriffe gewehrt hat….


Frage 4: Mit dem „Angelina-Jolie-Effekt“ haben Sie einen wichtigen Aspekt angesprochen, wie künftig mit Risiken umgegangen werden könnte und auch sollte. Wird nicht gerade das Wissen über mögliche Krankheitsrisiken immer mehr abhängig sein von der Fähigkeit und Verfügbarkeit von Bildung (und Zugang dazu) und es entsteht an dieser Stelle nicht eine neue soziale Diskriminierung?

Prof. Rebscher: Über die ethischen Folgen dieser Entwicklung entsteht gerade eine gründliche Diskussion. Siehe die Stellungnahmen des deutschen Ethikrates, der Leopoldina oder ganz aktuell der Bundesärztekammer. Die von ihnen angesprochenen Bildungsvoraussetzungen sind dabei ebenso zu beachten wie die Folgen der dramatischen ökonomischen Ungleichheit.


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