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Das Wilhelm Löhe Institut für Ethik der Gesundheits- und Sozialwirtschaft (WLE)

Das Gespür für relevante Themen ausgezeichnet - Beim Schülerwettbewerb „Ethik“ setzte die Jury auf kreative und eigene Stellungnahmen

Volker Heißmann, der bekannte Fürther Komödiant, begeisterte mit einer humorvollen Festrede
Von rechts: Volker Heißmann, Britta Stolte (Studiendirektorin am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München), Prof. Dr. Dr. Elmar Nass und Schirmherr Markus Braun, Bürgermeister der Stadt Fürth (6.v.r.), gratulierten der Klasse B11A der beruflichen Oberschule für Wirtschaft in München, Therese-von-Bayern-Schule zum 1. Platz.
v.r.: Volker Heißmann, Britta Stolte (Studiendirektorin am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München), Prof. Dr. Dr. Elmar Nass und Schirmherr Markus Braun, Bürgermeister der Stadt Fürth (6.v.r.), gratulierten der Klasse B11A der beruflichen Oberschule für Wirtschaft in München, Therese-von-Bayern-Schule zum 1. Platz

Fürth – Das Wilhelm Löhe Ethikinstitut in Fürth (WLE) richtete zum vierten Mal den Schülerwettbewerb „Ethik“ aus, bei dem Schülerinnern und Schüler bundesweit gefragt waren, sich kreativ mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Zur Preisverleihung begeisterte Komödiant Volker Heißmann mit einer Festrede.

Die Jury um Prof. Elmar Nass vom WLE stand vor einer schwierigen Aufgabe: Drehbücher, Filme, Theaterstücke oder Podcasts – unter den Einreichungen aus ganz Deutschland fanden sich viele kreative Beiträge. Auf den ersten Platz, dotiert mit 350 Euro, schaffte es die Klasse B11 A der beruflichen Oberschule Therese-von-Bayern-Schule München. Sie entwickelte eine Klassenzeitung unter dem Titel „BOS reports: Meinungsbildung & Digitalisierung“. Kritisch beschäftigten sie sich darin mit Vor- und Nachteilen der Digitalisierung, setzen sich unter anderem mit sozialen Medien, Bildmanipulation und digitaler Zensur im Hinblick auf Informationsquellen von Jugendlichen auseinander. „Digitalisierung und Meinungsbildung gehören wie Pech und Schwefel zusammen“, lautet ihre Kernaussage. Eine einfache Antwort gibt es nicht, nur Anregungen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Das ist ein zentraler Aspekt, den das Ethikinstitut vermitteln möchte. „Ethik ist in der heutigen Zeit besonders wichtig“, betonte Hochschulpräsident Dr. Ingo Friedrich, der die Gäste und Preisträger zusammen mit Prof. Elmar Nass, Leiter des Wilhelm Löhe Ethikinstituts, begrüßte. Beide zeigten sich stolz über die eingereichten Beiträge, die es „schwer gemacht hätten, eine Entscheidung zu treffen“. Ethik bedeute verantwortungsvolles Denken und Handeln, nicht nur in allen Bereichen der Politik, Medizin oder Wirtschaft, sondern auch im aktuellen Weltgeschehen. „Wir wollen ein Problembewusstsein schaffen und dazu anregen, selbst nachzudenken“, betonte Prof. Nass.

Den zweiten Preis, dotiert mit 250 Euro, erhielt die 10. Klasse des Bonhoeffer-Gymnasiums Oberasbach für den Film „Gut leben“. Die Schüler beschäftigten sich mit der zentralen Frage der Ethik: Was ist das eigentlich, das gute Leben? Der Film beleuchtet verschiedene Perspektiven und fördert ethische Urteilskompetenz.

Der dritte Preis, dotiert mit 200 Euro ging an die 10. Klasse des Gymnasiums Prof. Dr. Max Schneider Lichtenstein, die in einer Sammlung an utopischen und dystopischen Erzählungen Paradies- und Schreckensbilder einer möglichen Zukunft entwarfen.

Zwei weitere Kreativpreise mit je 150 Euro an das Röntgen-Gymnasium Würzburg (Thema: Leitkultur) und an das Elsa-Brändström-Gymnasium Oberhausen (Thema: Künstliche Intelligenz) vergeben.

Gestiftet wurden die Geldpreise von der Klosterfrau Group. Den Pokal für den Sieger stiftete die Fürther Tabrizi GmbH.

Festakt "Gemeinwohl, Digitalisierung“ im bayerischen Heimatministerium Nürnberg

Philipp Plickert
Dr. Philipp Plickert plädierte in seinem Hauptvortrag des Festaktes „70 Jahre Soziale Marktwirtschaft“, sich den Herausforderungen der Digitalisierung für die Soziale Marktwirtschaft zu stellen.
Philipp Plickert, Elmar Nass, Ingo Friedrich, Dirk von Vopelius
Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.:) Dr. Philipp Plickert, Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, Dr. Ingo Friedrich, Dirk von Vopelius

Die Soziale Marktwirtschaft feiert dieses Jahr ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Grund lud das Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule und der Universitätsverein Fürth zu einem Festakt unter dem Titel „Freiheit, Gemeinwohl, Digitalisierung“ in das bayerische Heimatministerium nach Nürnberg ein. Die Festrede hielt der Wirtschaftsredakteur Dr. Philipp Plickert.

Wir müssen uns dem Wandel durch die Digitalisierung stellen

Die Soziale Marktwirtschaft feiert dieses Jahr ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Grund lud das Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule und der Universitätsverein Fürth zu einem Festakt unter dem Titel „Freiheit, Gemeinwohl, Digitalisierung“ in das bayerische Heimatministerium nach Nürnberg ein. Die Festrede hielt der Wirtschaftsredakteur Dr. Philipp Plickert.

Das lichtdurchflutete Atrium des Heimatministeriums, dem Nürnberger Dienstsitz des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, bildete den stilvollen Rahmen für den Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Den Festakt unter dem Titel „Freiheit, Gemeinwohl, Digitalisierung“ richteten das Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule (WLE) in Fürth unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Elmar Nass sowie der Universitätsverein Fürth unter Vorsitz von Prof. Dr. Hermann Schoenauer aus.

Nach der Begrüßung durch Hermann Schoenauer sowie den Grußworten von Hermann Imhof, Patienten- und Pflegebeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, und Dr. Alexander Voitl, als Leiter der Dienstelle Nürnberg Hausherr im Heimatministerium, ergriff Dr. Philipp Plickert das Wort. Der Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung blickte in seinem Festvortrag „Digitalisierung als Herausforderung für die Werte- und Wirtschaftsordnung ‚Soziale Marktwirtschaft‘“ zunächst einmal in die Geschichtsbücher. Plickert beleuchtete die Anfänge der Sozialen Marktwirtschaft und die zugrundeliegenden Werteideen von Alfred Müller-Armack, Walter Eucken und Ludwig Erhard, die als die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft gelten. Plickert sieht die Soziale Marktwirtschaft als „große Erfolgsgeschichte“: „70 Jahre Soziale Marktwirtschaft sind ein denkwürdiger und freudiger Anlass“, so der Wirtschaftsjournalist.

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Im zweiten Teil seines Vortrags gab Plickert Antworten auf die Fragen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Wettbewerbsordnung und auf den Arbeitsmarkt hat. In beiden Bereichen sieht Plickert unbestreitbare Vorteile durch die Digitalisierung wie die Steigerung der Produktivität, durch die wiederum eine Erhöhung des Wohlstands möglich sei. Gleichzeitig sieht er aber auch Herausforderungen, denen sich Gesellschaft und Politik stellen müssen. Als Beispiel nennt er den Verlust von Arbeitsplätzen durch eine fortschreitende Technisierung der Arbeitsprozesse durch Maschinen und Roboter oder den rasanten Aufstieg einzelner digitaler Plattform-Konzerne wie Google, Amazon und Facebook.

Philipp Plickerts Resümee: „Eine Verweigerungshaltung gegenüber der Digitalisierung bringt nichts. Wir müssen uns auf den Wandel einlassen.“ Als Lösungsvorschlag pocht er auf eine stärkere Bildung jedes einzelnen und appelliert an seine Zuhörer: „Wir müssen uns anstrengen, dass wirklich alle Menschen eine Chance haben. Dabei sind wir aber alle gefordert.“

Die abschließende Gesprächsrunde moderierte Prof. Elmar Nass. Dort nahmen Dr. Ingo Friedrich, Präsident der WLH, Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, sowie Dr. Philipp Plickert noch einmal explizit Stellung zu einzelnen Fragen über Chancen und Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft, die Nass zugespitzt und pointiert an die Podiumsgäste stellte.

In seinem Schlusswort fasste Prof. Elmar Nass zusammen, dass die Soziale Marktwirtschaft nach wie vor ein Erfolgsmodell und wesentlich für ein gutes Miteinander von Freiheit und Gemeinwohl, von Markt und Menschlichkeit sei. „Wir brauchen keine neue Grundidee, und keine neuen Werte, die der Sozialen Marktwirtschaft zugrunde liegen“, so Elmar Nass.

Plädoyer für eine verantwortbare Reform kirchlichen Arbeitsrechts: Bei einem ökumenischen Gespräch in Nürnberg wurde mehr Offenheit gefordert

Michael Bammessel, Michael Schwarz, Mathias Hartmann, Uwe Mletzko, Dr. Peter Beer, Eva Maria Welskop-Deffaa, Daniel Staffen-Quandt, Elmar Nass
Sie diskutierten mit Führungskräften in Nürnberg darüber, welche Mitarbeiter Diakonie und Caritas künftig brauchen (v. l. n. r.: Michael Bammessel (Präsident Diakonie Bayern), Caritasdirektor Michael Schwarz, Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Hartmann (Diakonie Neuendettelsau), Pastor Uwe Mletzko (DIAKOVERE), Generalvikar Dr. Peter Beer, Eva Maria Welskop-Deffaa (Vorstand Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbands), Daniel Staffen-Quandt (stv. Chefredakteur epd Bayern) und Prof. Dr. Dr. Elmar Nass vom Ethik Institut der Wilhelm Löhe Hochschule

Nürnberg – Wer arbeitet künftig bei Kirche, Diakonie und Caritas, wenn es immer weniger Christen gibt? Für viele Teilnehmer überraschend deutlich fiel die Antwort bei einem ökumenischen Gespräch im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg aus, welches das Ethik-Institut der Wilhelm Löhe Hochschule jetzt gemeinsam mit der Diakonie Neuendettelsau und dem Caritasverband Nürnberg ausgerichtet hat.

Nach der Begrüßung durch Prof. Elmar Nass und einer geistlichen Einstimmung durch Prof. Hermann Schoenauer vom WLE stimmten Rektor Dr. Mathias Hartmann (Diakonie Neuendettelsau) und Direktor Michael Schwarz die rund 50 Spitzenvertreter kirchlich-bayerischer Träger im Gesundheitswesen auf die brisante Gratwanderung zwischen christlichem Profil und Offenheit ein.

Bisher schreiben Kirche, Diakonie und Caritas vor, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – abgesehen von Ausnahmen - einem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen angehören müssen. Dieser Grundsatz biete keine Gewähr mehr dafür, dass die richtigen Leute kommen, sagte Dr. Peter Beer, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising. Das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das in eine ähnliche Richtung wies, sei deswegen nicht der „Untergang des Abendlandes“, sondern eine Chance zur Weiterentwicklung. Beer sieht Vielfalt als Bereicherung und nannte als Beispiel eine muslimische Erzieherin in einer Kindertagesstätte. Die Kirchen seien Teil der Welt. Sie dürfen sich laut Beer nicht abgrenzen, sondern müssen auch in ihrer Personalpolitik christliche Werte leben. Statt traditioneller Leerformeln forderte er, dass die Institutionen als Ganzes für das christliche Profil Verantwortung tragen, nicht nur der einzelne Mitarbeiter. Deswegen müsse man wegkommen von Sanktionen zum Beispiel gegen geschiedene, wieder verheiratete Menschen und hin zur „verbindenden Idee“. Konkrete Motivation im Team sei wichtiger als eine allgemeine Verpflichtung. Loyalität erwartet er vor allem zur Sendung, die Welt zum Positiven zu verändern. Glaubwürdiges Handeln soll nach den Worten des Generalvikars Angepasstheit ersetzen.

Kirchenzugehörigkeit ist zu wenig
Kirchenzugehörigkeit sei dafür als Maßstab zu wenig. Nach einer authentischen Selbsteinschätzung könne auch ein schwuler, mit einem Mann verheirateter Krankenpfleger ein hervorragender Mitarbeiter sein. Deswegen sei eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts nötig.

Damit dürfte er beim Nürnberger Caritasdirektor Michael Schwarz und bei Dr. Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau, offene Türen eingerannt haben. „Es geht um Glaubwürdigkeit“, meinte Schwarz. Hartmann sagte, man müsse die Identität als christliche Organisation weiter entwickeln. Der Caritasverband Nürnberg und die Diakonie Neuendettelsau hatten gemeinsam mit dem Ethik Institut der Wilhelm Löhe Hochschule Fürth zu dem Gespräch eingeladen.

Dass dies ein schmerzhafter Prozess mit heftigen Diskussionen werden wird, vermuteten mehrere Teilnehmer der Diskussionsrunde, die vom stellvertretenden Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes in Bayern, Daniel Staffen-Quandt, moderiert wurde. Fragen nach einem Streikrecht im kirchlichen Bereich, nach einem Ausbau der Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer und nach der Differenzierung von einem säkularen Humanismus müssen beantwortet werden. Im Blick der Öffentlichkeit werde inzwischen aber die traditionelle Loyalitätsverpflichtung zum Ärgernis, nicht der Verstoß dagegen, ergänzte Beer.

Bessere Perspektiven für Frauen
Bessere Perspektiven für Frauen forderte Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbands. Sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche seien profilbildend, sagte sie weiter und im kirchlichen Raum müsse die Lebensplanung der Mitarbeitenden besser hinsichtlich der Arbeitszeiten berücksichtigt werden. Auch eine angemessene Bezahlung, eine klare Unterscheidbarkeit von privaten Anbietern, eine „christliche Beheimatung“ und digitale Kompetenzen für eine hybride Arbeitswelt seien wichtig.

Als „Parforce-Ritt“ empfand Michael Bammessel, Präsident des Diakonischen Werks Bayern, den Vortrag von Generalvikar Beer. Nicht mehr „Woher kommst du?“, sei die Frage, sondern „Wohin wollen wir zusammen gehen?“ Das funktioniere aber nur, wenn es genug Persönlichkeiten gebe, die das Profil verkörpern. In diesem Zusammenhang unterstrich Bammessel die Bedeutung des Gebets. Pastor Uwe Mletzko, Theologischer Geschäftsführer der DIAKOVERE gGmbh in Hannover, rief dazu auf, Klarheit zu schaffen, nicht mehr zu heucheln und keine Umwege mehr zu fahren. Veränderungsprozesse seien ebenso dringend notwendig wie eine klare Werthaltung, die allen Mitarbeitenden vermittelt wird. Keine einheitliche Meinung gab es dazu, ob zumindest Führungskräfte einer christlichen Kirche angehören müssen.

Die Diskussion werde also weitergehen, meinte Prof. Elmar Nass zum Abschluss. Kirche und kirchliche Träger seien ihrem Auftrag nach in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Dieser missionarische Spagat sei nunmehr die große Herausforderung für eine ebenso menschennahe wie gegenüber Gott verantwortbare Unternehmenskultur. Über den Inhalt vieler Begriffe müsse man vor diesem Hintergrund neu nachdenken und dabei immer auch unterscheidbar bleiben.

Neues studentisches Diskussionspapier am WLE erschienen

Das Ethikinstitut bietet seit diesem Jahr Studenten die Möglichkeit, eigene Fachbeiträge als Diskussionspapiere zu veröffentlichen. Dazu gibt es die auch mit ISSN-Nr. ausgestattete Online-Reihe ‚Kompass‘ heraus. Jetzt, April 2018, ist die zweite Ausgabe erschienen. Thema ist: Die Würde der Pflegekraft ist (un)antastbar. Autorin ist Katharina Sonntag aus München. 

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Bundesweiter Nachwuchspreis Ethik an der WLH Fürth vergeben

Studententagung des Wilhelm Löhe Instituts für Ethik Wilhelm Löhe Ethikpreis
Studententagung des Wilhelm Löhe Instituts für Ethik mit Vergabe des Wilhelm Löhe Ethikpreises
Nachwuchspreis Ethik Andreas Gold, Jürgen Zerth, Elmar Nass
Verleihung des Wilhelm Löhe Nachwuchspreises Ethik (v.l. Andreas Gold, Jürgen Zerth und Elmar Nass)

Studenten aus den Bereichen Medizin, Pflege, Theologie und Sozialökonomie waren die Referenten bei der vom Ethikinstitut der Wilhelm Löhe Hochschule zum zweiten Mal ausgerichteten Fürther Studententagung, die sich mit Fragen von Ethik und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigte.

Die sechs Referenten aus Hamburg, Göttingen, München, Mannheim u.a. sind die Gewinner in einem mehrstufigen Verfahren, in dem sie aus allen Bewerbern von der interdisziplinär besetzten Jury um den Sozialethiker Elmar Nass und den Medizinethiker Jan Schildmann ausgewählt worden waren. Vorgestellt und lebendig diskutiert wurden auf der Tagung herausfordernde Thesen etwa zum Gesundheitszustand von Flüchtlingen und den daraus sich ergebenden gesellschaftlichen Herausforderungen oder die Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit christlicher Pflegekultur und mögliche Auswege aus dem Dilemma. Querdenker stellten auch eine utopische Entmarktung des Gesundheitswesens oder eine visionäre Ethisierung der damit verbundenen Studien- und Ausbildungsgänge vor. Der Gesundheitsökonom Michael Schneider aus der Jury fand es bemerkenswert, dass hier junge Studenten mutig zu ihrer Position stehen, selbst wenn sie mit ihrer Meinung Gegenwind erwarten müssten. Unter den sechs Gewinnern wurde der Pflegewissenschaftler Andreas Gold zusätzlich ausgezeichnet mit dem erstmalig vergebenen Wilhelm Löhe Nachwuchspreis Ethik. Sein empirisch wie normativ ausgearbeitetes Thema war die Rolle der Pflege in klinischen Ethikkomitees, die auch in vielen diakonischen Einrichtungen wichtige Orientierungsarbeit leisten. Darin machte er sich für eine profilierte eigene Pflegeperspektive in diesem Kontext stark, die bisher noch zu wenig ausgeprägt sei. Der Preis ist mit 500 € dotiert und wurde vom Universitätsverein Fürth gestiftet. Den Preis übergaben Vizepräsident Jürgen Zerth für den Universitätsverein und Elmar Nass für das Ethikinstitut der WLH.

2. Studententagung des WLE mit Vergabe des Wilhelm Löhe Ethikpreises

Am Donnerstag, 19.04.2018, findet von 10.30 h bis 15.30 h in der Wilhelm Löhe Hochschule Fürth die 2. studentische Tagung des Wilhelm Löhe Instituts für Ethik (WLE) statt. Auf der wissenschaftlichen Tagung stellen ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Thesen einem interdisziplinären Fachpublikum vor. Anschließend wird der Wilhelm-Löhe-Nachwuchspreis Ethik vergeben.

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Was macht gute Führung aus?

Professor Elmar Nass hat sich intensiv mit Führungsfragen auseinandergesetzt, denn diese sind auch in christlichen Unternehmen oder der Kirche aktuell und dringlich. Einen Kurzeinblick ins Thema gibt ein Interview in der „Kirchenzeitung Aachen."

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WLH Studierende bereichern wissenschaftliche Tagung des WLE

Tagung Ethik und Soziale Marktwirtschaft Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) Bamberg
Tagung des Arbeitskreises „Ethik und Soziale Marktwirtschaft“ (AK ESMA) der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) in Bamberg

Mit Julia Schneider, Stephanie Heid und Roberta Schlüter haben sich Anfang Dezember 2017 gleich 3 WLH-Studierende wissenschaftliche Sporen verdient. Sie nahmen gemeinsam mit Vizepräsident Prof. Jürgen Zerth an der Tagung des Arbeitskreises „Ethik und Soziale Marktwirtschaft“ (AK ESMA) der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) teil. Dieser wird vom Ethikinstitut der WLH gemeinsam mit dem Institut für ökonomische Bildung Münster jährlich ausgerichtet. Diesmal ging es in Bamberg thematisch etwa um eine aktuelle Auslegung der Sozialen Marktwirtschaft, um die sozialen Folgen der Massenzuwanderung u.a. Stephanie Heid war dazu auch als Referentin nominiert worden. Der Bamberger Alt-Erzbischof Karl Braun stellte abends dem Kreis in bestechender Klarheit Thesen zu einem neuen missionarischen Profil der Kirche in der Gesellschaft vor. Zum rahmenden Kulturprogramm gehörten im Weltkulturerbe Bamberg kenntnisreiche wie kurzweilige Führungen in Stadt und Dom ebenso wie zum urigen Abendessen die Würdigung Bambergs als Stadt der Biere. Das anspruchsvolle wie abwechslungsreiche Programm macht den AK ESMA so zunehmend auch für jüngere Teilnehmer attraktiv, was die Initiatoren Prof. Christian Müller (Münster) und Elmar Nass (WLE) besonders freut.

Call for Papers für Studierende

Das Wilhelm Löhe Institut für Ethik der Gesundheits-und Sozialwirtschaft (WLE) und die Zeitschrift für Marktwirtschaft und Ethik (ZfME)/ Journal of Markets and Ethics Call for Papers lädt alle Studierenden relevanter Disziplinen zur Studierendentagung am 19.04.2018 zum Thema „Ethik und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits- und Sozialwesen“ ein. Hierfür muss ein Positionspapier eingereicht werden, wobei folgende Richtlinien zu beachten sind:

Willkommen sind systematische oder anwendungsbezogene Beiträge. Auch Seminar- und Abschlussarbeiten, die nach dem 30.9.2016 an einer Hochschule abgegeben wurden, können Grundlage eigereichter Papers sein. Abstracts (max. 500 Wörter) sind bis einschließlich 30.11.2017 in digitaler Form einzureichen bei Frau Roberta Schlüter vom WLE: roberta.schlueter(at)wlh-fuerth.de.

Weitere Infos in der Ausschreibung.

Buchrezension

Roberta Schlüter Ethik WLE Wilhelm Löhe Institut Ethik
Roberta Schlüter

Thomas Grundmann, Achim Stephan u.a. (Hrsg.): "Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?". Philosophisches Essay. Philipp Reclam jun. Verlag GmbH Stuttgart 2016.

Im Jahr 2015 wurde von der Bundesregierung beschlossen, die deutschen Grenzen nicht zu schließen und sich den mit dem Flüchtlingsstrom wachsenden Herausforderungen und Problemen zu stellen, die nicht allein Deutschland, sondern ganz Europa betreffen. Die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Zustroms sind in all ihren Ausmaßen auch bis jetzt noch unklar. Die Sozialphilosophie bietet für die damit komplexen Wertediskussionen die Möglichkeit, moralische Prioritäten vorzuschlagen, unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven zu beleuchten und so eine Unterstützung für die mündige Meinungsbildung anzubieten, die idealerweise in gut begründete konkrete wie verantwortliche Politik einmündet.

Während einer Fachtagung der Gesellschaft für analytische Philosophie 2015 in Osnabrück wurde dieses Thema aus sozialphilosophischer Sicht diskutiert. Ein Ergebnis war, dass die Philosophie zu diesem Thema nicht schweigen sollte. Daraus ergab sich das Ausschreiben einer Preisfrage: „Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?“

Dr. H. Fricke Sonnenschein vom Reclam Verlag stieß die Veröffentlichung eines Sammelbandes mit zehn von der Jury ausgewählten Essays an.

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Wirtschaftlichkeit und Wertebindung im Gesundheitswesen – Ein Widerspruch?

Studentenworkshop Wilhelm Löhe Institut für Ethik Fürth Zeitschrift für Marktwirtschaft und Ethik (ZfME) WLH IDC Forschungsinsitut
Interdisziplinärer Studentenworkshop an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth

Fürth – Das Wilhelm Löhe Institut für Ethik der Gesundheits- und Sozialwirtschaft (WLE) hat in Kooperation mit dem IDC Forschungsinstitut Fürth und der Zeitschrift für Marktwirtschaft und Ethik (ZfME) / Journal of Markets and Ethics zum ersten interdisziplinären Studentenworkshop an die Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth eingeladen.

Wirtschaftlichkeit und Wertebindung im Sinne der Humanität gelten neben der Professionalität bei vielen Trägern im Gesundheitswesen als grundlegende Säulen ihres Unternehmensprofils. In welchem Verhältnis diese Ziele zueinander stehen, wie sie konkret inhaltlich gefüllt werden und wie im Konfliktfall zwischen ihnen abgewogen werden soll, das ist keineswegs evident. Fragen einer gerechten Mitarbeiterführung und eines evidenzbasierten Managements lassen sich genauso in die Thematik einzuordnen wie Fragen zur Würde der Pflegekraft und Fragen zur Sterbehilfe.

Diese und weitere Fragen diskutierten am 06.04.2017 ausgewählte Studierende verschiedener Hochschulen und Universitäten aus Deutschland im Rahmen eines interdisziplinären wissenschaftlichen Studentenworkshops an der Wilhelm Löhe Hochschule. Dazu mussten Studierende im Vorfeld Positionspapiere einreichen, die einem Begutachtungsverfahren unterzogen wurden. Die besten Arbeiten bekommen die Chance in der Zeitschrift für Marktwirtschaft und Ethik (ZfME) / Journal of Markets and Ethics publiziert zu werden.

Das auf Initiative der Wilhelm Löhe Hochschule 2015 gegründete Wilhelm Löhe Institut für Ethik der Gesundheits- und Sozialwirtschaft (WLE) beschäftigt sich mit ethischen Fragestellungen im Gesundheits- und Sozialmarkt und ergänzt die ökonomische, technische und gesundheitswissenschaftliche Perspektive durch eine stimmige Werteorientierung.

Buchrezension

Martin Oppelt
Martin Oppelt

Fredmund Malik (2006): Führen, Leisten, Leben: Wirksames Management für eine neue Zeit, 2. Auflage, Campus Verlag Frankfurt/ New York 2006.

In diesem Bestseller versucht der Autor seine Erfahrungen im Bereich des Managements weiter zu geben. Zu diesem Zweck zeigt er einen Ansatz auf, der wie er selbst hofft, Klarheit in die Welt der Führungskräfte bringen soll. Malik glaubt an die Erlernbarkeit der notwendigen Fähigkeiten, um in einer Führungsposition wirksam sein zu können. Damit weicht er von der weit verbreiteten Vorstellung ab, Talent sei eine unbedingte Voraussetzung für Management. Mit einer Aufklärung über die nach seiner Meinung tatsächlichen Möglichkeiten und Leistungen der Manager führt Malik gleich am Beginn die wesentlichen Thesen seines Ansatzes ein:
1.) Die Resultatorientierung und das Schaffen von Verantwortungsbewusstsein stehe im Management im Mittelpunkt. Es sei notwendig, dass sich Führungskräfte vor allem die Qualität der Wirksamkeit ihres Handelns vor Augen halten.
2.) Management soll als ein eigener Beruf betrachtet werden. Dieser Beruf könne in vier Charakteristika aufgeteilt werden: Grundsätze, Aufgaben, Werkzeuge und Verantwortung.

Durch diese Hauptthesen schafft Malik die leitende Grundstruktur für seine großen Kapitel: Professionalität – Grundsätze wirksamer Führung – Aufgaben wirksamer Führung – Werkzeuge wirksamer Führung.

Der erste Teil des Buches befasst sich mit der Professionalität in der Führungsebene. Hier kritisiert Malik die nach seiner Meinung bisherigen Irrlehren: so etwa eine Theorie, die den gesamten Erfolg des Unternehmens von den Einzelleistungen abhängig macht. Malik bietet dazu alternative Möglichkeiten an und erläutert ausführlich seine Sicht. Danach solle Management als ein eigener Beruf wahrgenommen werden. Im zweiten Teil geht der Autor auf die „Grundsätze wirksamer Führung“ ein. Dabei stehen u.a. die Resultatorientierung, das Ausschöpfen der Stärken und positives Denken im Vordergrund. Malik thematisiert hier Fragen von Motivationsstrategien und deren Wirkung auf den Mitarbeiter sowie deren Bedeutsamkeit für das Unternehmen. Die Erkenntnis der Ganzheit müsse für ihn dabei in den Mittelpunkt gestellt werden. Im dritten Teil werden die Aufgaben der Führungsebene diskutiert. Mit Hinweisen zu Organisation und Kontrolle der Entscheidungsfindung versucht Malik, den Leser für seine Methoden zu begeistern. Der vierte Teil widmet sich den Werkzeugen der erfolgreichen Führung. Mit sieben Bausteinen (wie z.B. Job Design, effiziente Organisation von Sitzungen, Ideen zur motivierenden Leistungsbeurteilung u.a.) gibt der Autor Anhaltspunkte, wie erfolgreiche Führung gelingen kann. Mit diesem letzten großen Kapitel rundet Malik sein Handbuch ideenreich ab.

Insgesamt ist der Aufbau des Buches stringent nachvollziehbar. Zu Beginn der jeweiligen Teile findet sich jeweils eine kurze einführende Übersicht zu den folgenden Inhalten, die es dem Leser erlaubt, einen kurzen Überblick zu gewinnen. Am Ende folgt jeweils eine Zusammenfassung. Diese eigentlich positiv zu bewertenden Vor- und Rückblicke werden aber überzogen und wirken deshalb oft redundant. Zu häufig werden die Gedankengänge des Autors wiederholt, so dass das Buch an manchen Stellen künstlich in die Länge gezogen erscheint. Zwar gelingt es Malik so, die für ihn bedeutungsvollen Aspekte klar herauszustellen. Doch kann das beim Leser leicht Desinteresse hervorrufen oder den Anschein der Einfallslosigkeit erwecken. Der Schreibstiel ist schon beim ersten Lesen leicht zugänglich. Auf schwierige Fachbegriffe wird weitgehend verzichtet. Bei den wenigen Ausnahmen liefert der Autor eine kurze, prägnante Erklärung oder Definition mit. Damit ist es auch einem Fachfremden möglich, die verschiedenen Vorgänge, Problemstellungen und Strategien im Rahmen einer Führungsposition leicht zu erkennen.

Der Argumentationsgang wirkt meist glatt und kalkulierend. Doch gibt es einige Passagen, in denen dies – beinahe wohl unbeabsichtigt – einem intellektuellen Humor weicht. Es gelingt Malik jeder Zeit einen logischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln herzustellen. Seine Argumentation ist stets präzise und logisch. Wenn er beispielsweise den Stellenwert von strukturierter Ausdrucksweise beleuchtet, erläutert er u.a. die Probleme des hohen Interpretationsspielraums für einzelne Stichworte oder Grafiken.

Malik gewährt aus seiner Sicht einen ersten Einblick in die Welt des Managements. Dabei bringt er seine fachliche Kompetenz mit einfachen Worten zum Ausdruck und ermöglicht dem Leser einen leichten, aber dennoch sehr informativen Einstig in das Themenfeld. Besonders für neue Führungskräfte mit wenig Erfahrung ist das Buch absolut geeignet, gleichgültig, ob sie gerade ihr Studium abgeschlossen haben, oder sich ihre Position durch ihr langjähriges Tun im Unternehmen erarbeiten konnten. Ebenso können Studierende von dem Werk als Begleitlektüre profitieren, die ihre Zukunft in der Führungsebene noch vor sich haben, da ihnen Lösungsvorschläge für die Probleme in der praktischen Umsetzung aufgezeigt werden. Auch Manager mit Berufserfahrung bekommen die Möglichkeit, neue Eindrücke und Vorschläge für eine Verbesserung ihrer bisherigen Konzepte zu gewinnen. Daher kann für das Buch aus Sicht der Managementpraxis eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen werden.

Eine bedingte Empfehlung hingegen ist angemessen für die, die einen allgemeinen Ratgeber für den Aufbau einer effizienten Führungskultur suchen, da wesentliche Kapitel im Buch diese Themengebiete nur wenig betreffen. Als Zusatzlektüre kann es in diesem Fall allerdings dennoch hervorragend genutzt werden. Insgesamt stellt das Buch eine sinnvolle Ergänzung im Themengebiet der Führungspraxis dar, ohne aber eine in sich systematische Führungstheorie aufzuziehen.

Martin Oppelt