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Diakonische Arbeit zeichnet sich durch Kommunikationsleistung aus

Diakonische Arbeit zeichnet sich durch religiöse Kommunikationsleistung aus - Gastvorlesung von Dietmar Motzer an der WLH

Was ist das Proprium diakonischer Unternehmen in einem sich veränderten Wettbewerbsumfeld in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft? Dieser Frage stellte sich Dietmar Motzer, der kaufmännische Vorstand der Diakonie Neuendettelsau im Rahmen einer Gastvorlesung kurz vor Weihnachten in der Reihe „Aktuelle Fragen der Gesundheitsökonomie und des Gesundheitsmanagements“, die von Prof. Jürgen Zerth organisiert wird.

Dietmar Motzer zeichnete eingangs eine parallele Entwicklung. Einerseits sei der Rückgang der Mitgliedszahlen in den christlichen Kirchen zu verzeichnen, was sich unmittelbar auf die Durchdringung der christlichen Werteorientierung in der Gesellschaft auswirke. Andererseits können gerade diakonische Unternehmen unter den freigemeinnützigen Sozialunternehmen kontinuierliche Wachstumsraten verzeichnen. Besteht nicht die Gefahr, als Diakonie ein Sozialunternehmen wie alle zu werden? Hier gelte es sich bewusst zu machen, dass diakonische Arbeit notwendigerweise professionell und wirtschaftlich gestaltet werden müsse, gleichzeitig aber das spezifische Additum benötige, christliche Werte sowohl in konkrete Dienstleistungsbeziehungen als auch in den gesellschaftlichen Austausch einzubringen. In einem hochregulierten Markt wie im Sozialwesen liege die Besonderheit in der Frage der Organisationskultur, der Gestaltung von Beziehungsprozessen und in der Wahrnehmung des Leistungsempfängers, wie die Werteorientierung gelebt werde.

Dietmar Motzer bezeichnete hier die Aufgabe von diakonischen Trägern sich als moderne Organisationsform zu verstehen, denen es gelingen müsse, ökonomische Rahmenbedingungen in hoch-regulierten Märkten mit der Kommunikation des Evangeliums zu verbinden. Dieser hohe Anspruch mache eine Ausdifferenzierung und Schärfung des Profils notwendig und erfordere insbesondere durch veränderte Bedingungen am Beschäftigungsmarkt, die Notwendigkeit Mitarbeitende durch die Gestaltung und Aufbereitung der Unternehmenszielsetzungen zu überzeugen und in diesem Sinne Managementstrukturen und Organisationsstrukturen zu gestalten. Es könne nicht mehr darum gehen, ob Mitarbeitende eine formale Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche besitzen würden, dieses Kriterium würde in vielen Regionen allein quantitativ ins Leere laufen, sondern vielmehr sei es eine Managementaufgabe diakonischer Unternehmen christliche Werte durch Organisations- und Führungsstrukturen zu transportieren und Mitarbeiter mit unterschiedlicher Diversität in ein diakonischen Unternehmen zu integrieren. Ein Schwerpunkt der Managementaufgabe läge in den vielfältigen Interaktionsbeziehungen in der Führungs- und Leitungskultur diakonischer Unternehmen, so Dietmar Motzer. Hier gäbe diakonieweit Handlungsbedarf für veränderte Governance-Strukturen und dem Bewusstsein sich im wahrsten Sinne als diakonisches Unternehmen mit klarer Unternehmenszielsetzung zu verstehen.

In einer engagierten Diskussion mit Studierenden und Lehrenden an der WLH wurde die Frage diskutiert, wie stark ein christliches Unternehmen ohne christliche Mitarbeiter auskommen könne. Eine wesentliche Aufgabe in der Umsetzung eines neu-verstandenen Diakonieverständnisses liege bei den Führungs- und Leitungspersonen, die das Unternehmensziel „Diakonie“ mit unterschiedlichen Management- und Führungsinstrumenten verdeutlichen müssen, so das Fazit von Dietmar Motzer.

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Der kaufmännische Vorstand der Diakonie Neuendettelsau, Dietmar Motzer, zusammen mit Prof. Jürgen Zerth