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Student Hochschule WLH Wilhelm Löhe Hochschule Fürth

aus der Forschung

1. Fachtag PPZ - Innovative Pflegetechnologien im Echtbetrieb

Nürnberg – rund 150 Teilnehmende aus Pflege, Politik, Wirtschaft und
Wissenschaft sind am 31.01.2019 der Einladung des Pflegepraxiszentrums
Nürnberg (PPZ-Nürnberg) gefolgt, im Rahmen eines ersten Fachtags, Fragen der
Digitalisierung und Technisierung der Pflege zu diskutieren.

Das vom BMBF geförderte Projekt ist mit einem Verbund aus 6 Partnern - darunter
das IDC der WLH - Anfang 2018 angetreten, innovative Pflegetechnologien und
digitale Anwendungen in unterschiedlichen Umgebungen der Praxispartner im
Echtbetrieb zu erproben.

„Noch immer schaffen es nur wenige Produkte vom Forschungs- und
Entwicklungsprojekt in den Pflegealltag. Im Pflegepraxiszentrum Nürnberg
gehen wir der Frage nach, warum viele dieser Innovationen nicht in der Praxis
ankommen. Neben ethischen Fragestellungen ist oft auch der Nutzen ungeklärt.
Eine zu komplizierte Handhabung oder die mangelnde Aussicht auf
Regelfinanzierung erschweren die Implementierung neuer Produkte in den
Pflegealltag“ erklärt Marlene Klemm, Leitung des PPZ-Nürnberg. Sie ist fest
davon überzeugt, dass digitale oder technische Produkte den Alltag von
Menschen, die in Pflegeheimen, Krankenhäusern und in der häuslichen Pflege
tätig sind oder versorgt werden erheblich erleichtern könnten.

Im Rahmen von drei Filmsequenzen wurden die Vorbereitungen zu den ersten
Praxiserprobungen des PPZ-Nürnberg vorgestellt: "Sensorik zur
Sturzprävention" (Diakonie Neuendettelsau), "Virtual Reality als
Unterhaltungsangebot für Menschen im Pflegeheim" (NürnbergStift) und "Appbasierte
Kommunikation für Patienten mit Kommunikationsbarrieren" (Klinikum Nürnberg).

Frau Schroll-Würdig ist Sozialpädagogin im NürnbergStift und begleitet die
Erprobung eines Virtual Reality Spiels für Senioren: “Es liegt an uns, ethische
Fragestellungen von vornherein zu erkennen und zu beantworten. Eine Technik
wie Virtual Reality darf nicht zur Isolation führen. Unser VR-Spiel ist daher so
aufgebaut, dass eine Interaktion zwischen Bewohner und Pflegekraft auch
während des Spiels auf jeden Fall stattfindet“.

Nadine Heym, Pflegedienstleitung im Klinikum Nürnberg erhofft sich eine
Verbesserung der Kommunikation: “Mit Sprachbarrieren, insbesondere bei
Patienten mit Migrationshintergrund, sind wir täglich konfrontiert. Mit Hilfe
einer multilingualen Sprach-App, die im Gegensatz zu herkömmlichen Büchern
oder Broschüren, gut als Anwendung auf einem Smartphone in die Kitteltasche
passt, können wir Bedürfnisse von Patienten schneller identifizieren und somit
den Pflegealltag unserer Mitarbeiter erleichtern.“

Manuela Füller, Geschäftsführende Leitung der Dienste für Senioren bei der
Diakonie Neuendettelsau testet 2019 ein Sensorikpflaster, das gerade bei der
Betreuung dementiell erkrankter Menschen Entlastung schaffen soll: “Bei
technischen Anwendungen ist die Schnittstelle zum bestehenden
Pflegedokumentationssystem wichtig. Ist diese gegeben, bieten sie einen
echten Mehrwert.“

Michael Pflügner, Werkleiter des NürnbergStift appelliert „Die
Pflegeeinrichtungen sind aufgefordert, sich auch technisches Know-How
anzueignen, um digitale und technische Produkte und Dienstleistungen
beurteilen und entsprechende Investitionen planen zu können.“

Im zweiten Teil der Fachveranstaltung gingen Vertreter der Hochschulpartner
des PPZ-Nürnberg der Bedeutung eines „ELSI+“-Ansatzes in der Bewertung von
neuen Technologien auf den Grund: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte
sind bei der Implementierung von Pflegetechnologien ebenso wichtig wie
ökonomische, pflegepraktische und technische Dimensionen.
(Anmerkung der Verfasser: „ELSI“ steht für Ethical, Legal and Social Implications.

Das PPZ-Nürnberg ergänzt diese Betrachtungsdimensionen mit drei weiteren:
Economic, Practical and Technical Implications zu einem ELSI+ System).
Prof. Dr. Christian Bauer, Stv. Leiter des Forschungsinstituts IREM beschreibt die
Grundsätze des ELSI+-Ansatzes wie folgt: „ELSI+ ist ein konsequent partizipativ
ausgerichteter Ansatz, bei dem Praxis- und Wissenschaftspartner gemeinsam
technische Innovationen als Veränderung der zugehörigen soziotechnischen
Systeme begreifen und aus verschiedenen Perspektiven untersuchen und
bewerten.“

Die Frage, wie es gelingt Pflegeinnovationen auf pflegerische Alltagstauglichkeit
und Praktikabilität zu testen, damit auch andere Pflegende, Nutzer aber auch
Hersteller aus diesem Wissen lernen können, sei die Hauptaufgabe des ELSI+-
Ansatzes, so Prof. Dr. Jürgen Zerth, Leiter des Forschungsinstituts IDC. Es solle
letztendlich im PPZ Nürnberg ein „Pflegepraxiswissen“ erarbeitet werden, das
Eintrittsschranken und Implementierungshürden für neue Technologien senken
soll.

Pflegepolitische Aspekte bei der Einführung von digitalen Anwendungen in der
Praxis wurden von Vertretern der Bayerischen Staatsregierung erläutert: Dr.
Thomas Huber – Leiter der Abteilung 6 – Zukunftsfragen, Innovation,
Landesprüfungsamt für Sozialversicherung, Bay. Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege und Prof. Dr. Peter Bauer, Stv. Fraktionsvorsitzender
Freie Wähler; Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege; Patientenund
Pflegebeauftragter der Bay. Staatsregierung diskutierten mit Sophie
Schwab, Landesvertretung der DAK Bayern und Dr. Matthias Schier, Forum
MedTech Pharma e.V. – Netzwerkpartner im PPZ-Nürnberg über die Strukturen
des Pflegemarkts. Erstattungsleistungen, Ausbildung und Vernetzung standen
im Fokus dieser Diskussion.

Unter den verschiedenen Experten stach eine Gemeinsamkeit hervor: Im
Pflegemarkt müssen sich langfristig die Strukturen ändern, damit nicht nur der
Pflegenotstand reduziert wird, sondern auch die Qualität flächendeckend
erhöht werden kann. „In Anbetracht der vielfältigen Herausforderungen - vom
Fachkräftebedarf über die Finanzierung bis zu Pflegeabläufen und
Technikakzeptanz - müssen alle beteiligten Akteure viel zielgerichteter
zusammenarbeiten. Das Pflegepraxiszentrum Nürnberg hat das erkannt und
fördert die kooperative Implementierung neuer Technologien.“ erklärt Dr.
Matthias Schier.

Über das PPZ-Nürnberg

Das Pflegepraxiszentrum (PPZ) Nürnberg ist ein Verbund pflegepraktischer,
wissenschaftlicher und netzwerkbildender Einrichtungen mit dem Ziel,
Innovationen in die Anwendung zu bringen. Es erprobt und bewertet im
Echtbetrieb von Klinik und Pflegeeinrichtungen neue Technologien und
Dienstleistungen auf deren Praxistauglichkeit, Akzeptanz und Nutzen für
Pflegende und Gepflegte. Zum Konsortium gehören die Praxispartner
NürnbergStift, Klinikum Nürnberg und das Evangelisch-Lutherische
Diakoniewerk Neuendettelsau. Wissenschaftlich wird das Projekt durch das
Forschungsinstitut IDC der Wilhelm Löhe Hochschule und das
Forschungsinstitut IREM der Hochschule Würzburg-Schweinfurt begleitet. Mit
dem Forum MedTech Pharma e.V. als Netzwerkplattform wird das PPZNürnberg
vervollständigt. Das PPZ-Nürnberg ist Teil des Clusters Zukunft der
Pflege und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert.

Mehr Informationen unter: www.ppz-nuernberg.de

Kontakt
Marlene Klemm,
Leitung Pflegepraxiszentrum Nürnberg
c/o NürnbergStift, Regensburger Straße 388, 90480 Nürnberg

Tel.: 0911/21531-8601
Fax: 0911/21531-9860
E-Mail: marlene.klemm@ppz-nuernberg.de

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