Ambulantisierung in der Augenheilkunde als Musterbeispiel patientenorientierter und wirtschaftlicher Versorgung? – Masterstudierende diskutieren Möglichkeiten und Grenzen standardisierter Medizin

Die Entwicklung der Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung und insbesondere die Zahlen von ambulanten Operationen sind in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Nachbarn deutlich geringer ausgeprägt. Diesen Bereich näher in Augenschein zu nehmen und wissenschaftliche Fragestellungen mit Erfahrungen aus erster Hand zu verknüpfen ist das Ziel der Studiengänge der WLH. Einen Bereich mit einer hohen Ambulantisierungsdichte stellt die Augenheilkunde bzw. die Augenchirurgie dar. Sibylle Stauch-Eckmann, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Ober Scharrer Gruppe mit Sitz in Fürth, einem bundesweit führenden Gesundheitsdienstleister in der Augenheilkunde, betonte die Bedeutung einer systematischen Entwicklung ambulant-organisierter Medizin. Studierende aus den beiden Masterstudiengängen Gesundheits- und Sozialmanagement sowie Gesundheitswirtschaft und Ethik nutzten auf Initiative von Prof. Jürgen Zerth die Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit Frau Stauch-Eckmann und darüber hinaus auch die Chance, vor Ort ein augenärztliches Zentrum zu besuchen.  Ziel sei es, so Stauch-Eckmann, sowohl im traditionellen Facharztsektor als auch als Anbieter für belegärztliche, augenmedizinische Leistungen den Standard der Ober Scharrer Gruppe, nämlich der Ansprechpartner für das „Sehen“ zu sein, auszubauen und weiter zu entwickeln. Mit fast fünfzig Standorten in drei Bundesländern sei es gelungen, die Philosophie der beiden Fürther Augenärzte Dr. Manuel Ober und Dr. Armin Scharrer zu einer Versorgungsmarke aufzubauen. In der anregenden Diskussion, die eingebettet in die Möglichkeit der Praxiserkundung war, wurde insbesondere deutlich, dass Standardisierungsmöglichkeiten im Indikationsfeld Augenheilkunde im Vergleich etwa zu onkologischer Versorgung direkter umsetzbar sind, da die Varianz etwa im Behandlungsrisiko weniger heterogen ist. Gleichwohl konnte Frau Stauch-Eckmann deutlich machen, dass gerade die Fortentwicklung einer an Indikationsqualität ausgerichteten Versorgung Ziel einer guten Qualitätsstrategie in der ambulanten Versorgung sein muss. Hier wolle sich die Ober Scharrer Gruppe messen lassen. Mit den Studierenden wurde auch insbesondere das Potenzial von veränderten Modellen der Arbeitsteilung zwischen ärztlichen medizinischen und nicht-ärztlichen medizinischen Berufen diskutiert. Die Ober Scharrer Gruppe reflektiere, so die Geschäftsführerin, bereits die veränderte Entwicklung in der Medizin, stärker als in der Vergangenheit in Netzwerkstrukturen bzw. auch mit unterschiedlichen Arbeitszeiten ambulant zu arbeiten. Darüber hinaus zeige sich etwa in der Entwicklung des Berufsbildes Orthoptist eine Weiterentwicklung hin zu Weiterentwicklungen der Delegation und der Substitution medizinischer Leistungen.

Die Masterstudierenden und Prof. Jürgen Zerth zusammen mit Frau Stauch-Eckmann (ganz links) und Annette von Heissen (ganz rechts) im Operationssaal.